Leben lernen

Lockdown bedeutet Einschluss. Der Begriff stammt aus dem Strafvollzug. Ebenso wie das Wort von der Lockerung aus dem Strafvollzug stammt. Warum nennen wir die Dinge nicht beim Namen? Wahrscheinlich, weil es dann leichter fällt, sie zu verschleiern.

Also: Der Einschluss wird verlängert. Die Kanzlerin wollte es so, die Ministerpräsidenten haben zugestimmt und – traut man den Umfragen – auch die Mehrheit des Volkes ist dafür.

Wir lassen uns von diesem Virus also weiterhin in Haft nehmen. Bewirken wir damit etwas Gutes? Oder ist unsere Mühe vergeblich? Die Frage ist unerlässlich: Es geht so viel kaputt und verloren, die Kosten sind so hoch, die seelischen, die sozialen, die ökonomischen, da müssen wir doch wissen, ob es das alles wert ist.

Nach einem Jahr Corona können wir sagen: Die Antwort lautet leider nein. Denn beim wichtigsten Ziel der Corona-Maßnahmen – dem Schutz der Schwachen – hat Merkels Corona-Regierung versagt. Beinahe 90 Prozent der Menschen, die in Deutschland an Covid-19 gestorben sind, waren älter als siebzig Jahre. Auch der jüngste Einschluss, der Anfang November begann und nun bis Mitte Februar verlängert wird – und dann? – hat nichts daran geändert, dass Corona eine schwerwiegende Bedrohung für die Ältesten ist. Im Gegenteil: In den besonders gefährdeten Altersgruppen der Über-85-Jährigen sind die Infektionszahlen sogar noch gestiegen. Bei den Über-90-Jährigen lag die Inzidenzzahl Ende 2020 bei über 700.

Der jüngste Einschluss war eine kolossale Fehlleistung. Merkels Corona-Politik hat die schlechteste aller Welten erzeugt: Die Jungen werden ihrer Freiheit beraubt und an der Gefahr für die Alten ändert sich nichts. Das ist widersinnig. Aber es liegt in der Konsequenz der bisherigen Maßnahmen.

Warum haben wir nicht die Altersheime geschützt, in denen sich die meisten Infektionen der besonders Gefährdeten abspielen? Warum haben wir den Fokus der ganzen gesellschaftlichen Sorge nicht auf jene gerichtet, für die das Virus eine lebensgefährliche Bedrohung ist? Weil sich Epidemiologen, Medien und Politik sehr früh der Illusion hingegeben haben, die Krankheit könne in einem großen, gemeinsamen Kraftakt besiegt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten sie der Öffentlichkeit eintrichtern, dass die Pandemie eine Bedrohung für jeden Einzelnen sei.

Der Schutz besonders gefährdeter Gruppen hätte – das war die Befürchtung – das Netz der Solidarität geschwächt, auf dessen Festigkeit man sich zur Seuchenbekämpfung verlassen wollte. So wurden die Maßnahmen von einem fehlgeleiteten Ethos gelenkt, nicht von der Vernunft. Das rächt sich jetzt.

Politiker und Journalisten wunderten sich, dass die Menschen den zweiten Einschluss nicht mehr ganz so ernst nahmen wie den ersten. Dabei ist der Grund offenkundig: Die Menschen schätzen ihr Risiko, selbst zu erkranken und dann mit diesen oder jenen Folgen rechnen zu müssen, inzwischen realistisch ein. Sie verhalten sich nicht wie die Monaden, die in den Rechnerzentren der Universitäten durch die epidemiologischen Modelle gejagt werden – sondern wie Menschen.

Dieselben Politiker und Journalisten waren verblüfft, als die Meldungen die Runde machten, die Pflegerinnen in den Heimen verweigerten sich in großen Zahlen einer Impfung. Also ausgerechnet jene, die täglich in den Heimen die Alten sterben sehen. Die Verwunderten kamen gar nicht auf die Idee, das Argument umzukehren: Gerade weil die Pflegerinnen jeden Tag sehen, dass Covid-19 zuerst eine Krankheit der Alten ist, fühlen sie sich selbst davon weniger bedroht als von den unbekannten Risiken der Impfung. Sie schätzen ihr eigenes Risiko realistisch ein und nehmen in Kauf, weiterhin jene zu gefährden, in deren Dienst sie doch stehen sollten – die Alten. Man mag das selbstsüchtig nennen, unvernünftig ist es nicht.

Nach einem Jahr Corona kann man wissen: Einschluss funktioniert nicht. Zu immensen Kosten wird wenig Zeit erkauft. Das Virus ist in der Welt. Wer zur Normalität zurückkehrt, kehrt zum Virus zurück. Je deutlicher das wird, desto verzweifelter werden die Versuche, den Krieg gegen das Virus doch noch zu gewinnen: Die Initiative Zero Covid fordert, den Einschluss, der schon in Deutschland und den anderen europäischen Ländern nicht den gewünschten Erfolg brachte, auf den gesamten Kontinent auszudehnen, mit dem Ziel, das Virus de facto auszurotten.

Was diese Leute vorschlagen – alles, wirklich alles dichtzumachen – läuft darauf hinaus, die Gesellschaft zu zerstören, um sie zu retten. Im besten Fall ist das Ausdruck „persönlicher Verzweiflung“, wie der Ökonom Rudolf Hickel seine Unterschrift begründete, im schlechtesten Fall ist es Zeichen einer gefährlichen Kreuzfahrermentalität, der im Krieg gegen die Krankheit jedes Mittel recht ist. Davon hatten andere Experten wohlweislich abgesehen. Und zwar weil es nicht funktioniert. Im Sommer hatte Mike Ryan, der bei der WHO für den Umgang mit Covid-19 zuständig ist, gesagt, dass die Menschheit in absehbarer Zukunft nicht in der Lage sein werde, dieses Virus zu beseitigen: „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.“ Jetzt wäre eine gute Zeit, damit anzufangen.

Quelle: Der Freitag

Autor: Jakob Augstein


Virologe zerreißt Merkels Corona-Strategie: „So weit weg von der Realität“

 

Professor Dr. Klaus Stöhr* zählt zu den erfahrensten Seuchenbekämpfern der Welt, leitete etwa das Influenza-Programm der WHO und koordinierte deren Forschung zu Sars-Viren. Seine Worte finden Gehör bei Regierungen rund um den Erdball, aber nicht im eigenen Land. Zum jüngsten Krisengipfel mit den Ministerpräsidenten lud Kanzlerin Angela Merkel* den 61-jährigen Virologen und Epidemiologen nicht ein – obwohl die SPD-geführten Länder darauf gedrängt hatten. Im Interview mit unserer Zeitung analysiert Stöhr die Corona-Strategie von Merkel, Söder & Co.

Corona in Deutschland: Kritischer Umgang mit Kindern - „Einfach nicht differenziert genug“

Wie bewerten Sie die neuen Lockdown-Beschlüsse?
Professor Dr. Klaus Stöhr: Im Winter erreichen Pandemien naturgemäß ihren Höhepunkt. Deshalb ist es fundamental richtig, dass man jetzt auch mit angepassten Schutzmaßnahmen vorangehen muss. Allerdings wird es mit der gegenwärtigen Strategie nach dem Motto „vor dem Lockdown ist nach dem Lockdown“ schwer, über diese kritische Zeit zu kommen, ohne die Unterstützung der Menschen zu verlieren. Vor diesem Hintergrund ist Schließung von Kindergärten und Grundschulen noch kritischer zu bewerten als Ausgangssperren. Sie wären das letzte Mittel in absoluten Krisensituationen – und diese Krisensituation sehe ich derzeit nicht.
Wo liegen die Schwachstellen der Lockdown-Strategie?
Stöhr: Der Ansatz der aktuellen Strategie ist ja, eine Inzidenz* von 50 anzustreben, damit die Gesundheitsämter die Kontakte wieder weitestgehend nachverfolgen können. Im Winter ist dieser Zielwert illusorisch, reines Wunschdenken.
Wieso sollte sich dieses von der Kanzlerin gebetsmühlenartig erklärte Ziel nicht erreichen lassen?
Stöhr: Das Virus ist flächendeckend verbreitet, wir haben eine drei- bis fünffache Dunkelziffer bei den Infektionszahlen. Es wird noch ein paar Wochen lang kalt sein, wodurch sich das Virus leichter ausbreiten kann als im Sommer. Die Maßnahmen werden zwar Wirkung zeigen, aber die Inzidenz niemals auf Dauer unter 50 zu halten sein. Deutlicher sind die Erfahrungen in unseren Nachbarländern. Hier liegen die Inzidenzen nach mehreren Lockdowns alle weit über 100. Tragisch war die Erfahrung aus Irland: Nach einer national Kraftanstrengung war im Dezember die 50er-Marke erreicht. Nach dem Lockern dann aber auf Rekordwerte über 900 geschnellt.
Welchen Grenzwert halten Sie für sinnvoll?
Stöhr: In den letzten Wochen hat man gesehen, dass wir in Deutschland mit einer Inzidenz von 130, 160, vielleicht 180 gut umgehen können. Die Krankenhäuser sind belastet, aber nicht überlastet. Wir sehen ja sogar eine Abnahme der Inzidenz. Gleichzeitig gibt es aber noch immer viele Todesfälle, vor allem in den Altenheimen. Der richtige Schluss daraus ist: Mit einem Gießkannenprinzip die gesamte Bevölkerung gleich zu behandeln, wird nicht funktionieren. Für Kinder und Bewohner der Altenheime die gleiche Inzidenz-Grenze anzusetzen, halte ich einfach für nicht differenziert genug. So eine Seuche betrifft Risikogruppen, im Falle von Covid-19 vor allem alte Menschen. Wie man mit einer Schließung von Kindergarten- und Schulschließungen das Infektionsgeschehen in Altenheimen eindämmen kann, verstehe ich gar nicht.
In Merkels Beraterstab fordert beispielsweise Ihre Kollegin Melanie Brinkmann sogar eine Zero-Covid-Strategie – also Inzidenz null. Realistisch?
Stöhr: Zero Covid ist zero realistisch. Dieses Ziel zu erreichen und dann langfristig in der Mitte von Europa im Winter zu halten, ist so weit weg von der Realität. Ich wundere mich, dass man sich ernsthaft damit befasst.
Warum?
Stöhr: Weil es eine rein mathematische Herangehensweise an die Bekämpfung der Pandemie ist. Bei einem solchem Naturereignis muss man aber die Realität sehen: Aus den Erfahrungen mit anderen ansteckenden Atemwegserkrankungen haben wir gelernt, dass die Inzidenz im Winter zehn bis 15 Mal höher ist als im Sommer. Wir sehen auch an den schlimmen Erfahrungen in unseren Nachbarländern, dass ein harter Lockdown die
Inzidenz auf Dauer nicht unter 100 drücken kann.
Was muss gehen, damit wir Corona besser in den Griff bekommen?
Stöhr: Sinnvoll wäre, wenn fachübergreifend breiter beraten würde. In solche Gremien gehören neben Virologen und Epidemiologen beispielsweise auch Sozialwissenschaftler, Gesundheitsökonomen und Marketing- und Kommunikationsexperten. Wir wollen ja eine Einstellungsänderung in der Bevölkerung erreichen – und die wird mit Druck allein nicht gelingen. Die Menschen erwarten eine positive Agenda, ein Ziel, auf das wir gemeinsam hinarbeiten können. Dann werden sie auch Verständnis dafür aufbringen, falls die Maßnahmen noch mal etwas verschärft werden müssten.
Angela Merkel will diese Kritik offenbar nicht hören. Warum sind Sie in Deutschlands wichtigstem Krisenstab nicht vertreten?
Stöhr: Da müssen Sie andere fragen. Ich habe schon viele Regierungen beraten. Die meisten haben versucht, einen repräsentativen Kreis an Experten unterschiedlicher Fachrichtungen einzuladen. Sie haben verschiedene Ansätze zur Bekämpfung der Pandemie erarbeitet, alle Vor- und Nachteile dargestellt. Darüber wurde dann ergebnisoffen diskutiert. Aus der Summe der Alternativen lässt sich dann der bestmögliche Kompromiss finden. So habe ich das Krisenmanagement bei Ausbrüchen jedenfalls bisher erlebt.
Was genau müssen Kanzlerin und Ministerpräsidenten anders machen?
Stöhr: Zusätzlich zu den verordneten Maßnahmen brauchen wir Leute, die es schaffen, die Köpfe der Menschen zu erreichen. Wenn man nicht von Anfang an die optimale Kommunikationsstrategie durchdenkt, dann verliert man die Menschen auf dem langen Weg durch eine Pandemie.
Ist das nicht die Aufgabe der Politiker?
Stöhr: Natürlich. Aber ohne langfristiges, erreichbares Ziel, eine Positivagenda und die vage Hoffnung, dass es nach dem Lockdown alles anders wird, wirkt ihre tägliche Argumentation in vielen Fällen leider nicht.
Haben Sie ein konkretes Beispiel parat?
Stöhr: Im November hieß es: „Wir machen jetzt bis Weihnachten Lockdown – und danach wird alles gut.“ Es war schon damals klar, dass das Virus und der Winter vier Wochen später immer noch da sein werden und mehr als 90 Prozent der Bevölkerung empfänglich sind. So zu argumentieren, ist einfach zu kurz gesprungen. Eine Pandemie ist ein langfristiges Ereignis.

Quelle: Merkur


Helmut Schleich strengt erste Klage gegen FFP2-Maskenpflicht an

Schleich sagte der AZ: "Die FFP2-Masken gelten selbst nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung für den Privatgebrauch grundsätzlich als nicht geeignet. Wie sollen denn Herr Müller und Frau Meier die Masken sachgerecht aufsetzen? Hier ist die bayerische Staatsregierung eindeutig über das Ziel hinausgeschossen." 

Quelle: Abendzeitung München


Ethikrat Prof. Lütge übt Kritik an "ZeroCovid"


Katastrophenfall

Anmerkungen von Heribert Prantl (SZ)


Erich Kästner. Immer wieder gern.

Die Erinnerung ist eine mysteriöse Macht

und bildet den Menschen um.
Wer das, was schön war, vergisst, wird böse.
Wer das, was schlimm war, vergisst, wird dumm.


NachDenken über Angst

NachDenkSeiten provozieren...zum Nachdenken

Es war einmal ein König, der gerne ausschweifige und opulente Feste feierte und dabei viel Geld ausgab. Deshalb schickte er seinen Schatzmeister immer wieder los, um noch mehr Geld aus seinen Untertanen herauszupressen. Doch diese waren es leid und der Schatzmeister berichtete seinem König:

„Die Leute wollen nicht mehr Steuern bezahlen, mein König. Das letzte Mal waren sie gar feindlich gesinnt und machten bedrohliche Anstalten.“

Der prall gefüllte, reich geschmückte König schaut ihn ungeduldig und mürrisch an.

„Aber ich will meine Feste feiern. Dann nimm mehr Soldaten mit. Was fällt denen ein. Ich bin ihr König.“

„Mein König, das wird nicht viel bringen. Ich befürchte gar, dass sie aufbegehren werden. Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“

Der König dreht an seinen dicken Goldringen und streicht über seinen edlen Rock.

„Du hast doch kürzlich Bären in meinem Königreich gesehen.“

Der Schatzmeister will es wissen: „Mein König, ich verstehe den Zusammenhang nicht. Was hat das … “

„Genug.“ Der König bekommt blutunterlaufene Augen.

„Du gehst los und sagst den Bauern, dass du Bären gesehen hast, die sehr gefährlich sind und ihnen das Letzte nehmen, was sie noch haben.“

Der Schatzmeister schaut seinen Herrn mit zusammengekniffenen Augenbrauen an.

„Du sagst ihnen, dass der König sie beschützen wird, vor den gefährlichen Bären, wenn …

Des Schatzmeisters Augenbrauen glätten sich wieder.

„…wenn sie die geforderten Steuern zahlen. Das wird ihnen ihr Leben wert sein. Los, geh.“

Und siehe da, der Schatzmeister zieht los, kommt mit einer gut gefüllten Schatztruhe zurück und wenn der König nicht gestorben ist, dann gehen diese Feste weiter.

 

Quelle: www.nachdenkseiten.de


Heribert Prantl: Not und Gebot

über Grundrechte in der Quarantäne

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ergreifen Staaten weltweit Maßnahmen, die ansonsten nur in Kriegszeiten denkbar wären. Es werden beispiellose Einschränkungen der Freiheit beschlossen und umgesetzt. Doch die aktuelle Notlage ist das eine, die Gebote des Grundgesetzes sind das andere. Geht mit Corona alles? Müssen auch die Grundrechte in Quarantäne, um das Virus zu besiegen?

Heribert Prantl erzählt in seinem neuen Buch vom Leben im Ausnahmezustand und den Lehren daraus. Dabei durchmisst er das Spannungsfeld von Not und Gebot.

 

Grundrechte heißen Grundrechte, weil sie immer gelten, auch im Katastrophenfall, gerade dann. Wenn Grundrechte in Notzeiten weichen müssten, dann wären sie keine.

 

Die Angst vor dem Virus darf nicht benutzt werden, um diese abzuschaffen. Doch nicht jede Freiheitseinschränkung ist auch eine Verletzung der Grundrechte.

Die Politik muss abwägen, Maß halten und die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren. Sie muss die Bürger vor dem Virus schützen und zugleich vor Schäden am Betriebssystem Demokratie. Prantls Buch zeigt, wie mit Angst Politik gemacht wird. Es zeigt aber auch, wie man mit der Besinnung auf Grundrechte und Grundwerte eine gute Zukunft bauen kann. Es ist ein Buch zur Lage der Nation, das vor neuem Nationalismus und dem Gift des Populismus warnt. Und es ist ein Buch, das zeigt, was die Zivilgesellschaft zivil und frei macht.

 

das Buch ist ab 18. März 2021 erhältlich


Im SPIEGEL: Grundrechte außer Kraft, Alte isoliert, Kinder ohne Bildung

Wie Covid-19 die Werte beschädigt, die das deutsche Gemeinwesen ausmachen.(von Franziska Augstein)

Die Mehrheit der Bundesbürger findet es völlig in Ordnung, dass Grundrechte über die Köpfe ihrer Abgeordneten im Bundestag hinweg außer Kraft gesetzt werden, dass also die deutsche Demokratie partiell außer Kraft gesetzt wird. 


"Morning Mood" oder "In The Hall Of The Mountain King"?

Die Dramatik von Edvard Grieg's "Peer Gynt"

Es ist schön, wenn man die Morgenstimmung genießen kann. Die Natur erwacht gerade aus dem Schlaf. Die Sonne scheint waagerecht duch den Wolkenschleier und zeigt der Welt ihre Farben...

So in etwa kann man es vergleichen mit dem langsamen Erwachen der Gesellschaft.

 

Ja, der verordnete Lockdown wird nicht der letzte sein. Aber mit jeder Verlängerung werden mehr und mehr Menschen wach und wundern sich plötzlich über das aktuelle Geschehen.

 

Dabei sind die Frühaufsteher schon lange auf den Beinen. Auf Demonstrationen oder im unabhängigen Netz. Was muss eigentlich noch geschehen, damit aus diesen, von der Regierung absichtlich kleingehaltenen Demos eine Massenbewegung wird, die sich an keinen Auflagen schert und unangemeldet stattfindet. Flashmob heißt das und war mal sehr beliebt.

 

Wieviel Lockdown's braucht es noch?

 

Wenn die Proteste nicht eine das Machtaufgebot übersteigendes Ausmaß annehmen, wird es wohl frühestens erst wieder im April eine "Lockerung" geben. Und alle sind zufrieden, weil sie dann ihre Großmutter im Seniorenheim wiedersehen...wenn sie bis dahin nicht an Vereinsamung gestorben ist.

 

Ich schaue gern beim Aufwachen zu ;-)


An Grippe stirbt man heute nicht mehr

oder: Die Suche nach unmodernen Erregern

Wo sind all die Grippeviren hin...? würde eine aktuelle Version einer bekannten deutschen Band wohl heißen. Haben diese "Alten Hasen" keine Lobby mehr oder was ist passiert?

Und wird die Mortalitätsrate ebenso dem Hype auf Fallzahlen zu SARS Cov 2 geopfert?

und scheuklappenblind jedes gegenläufige Argument als Verschwörungstheorie abgelehnt? Da kann sämtliche Statistik der letzten Jahre einpacken...

 

Euromomo ist seit Ende der 2000er Jahre ein Projekt zur fortlaufenden und zeitnahen Überwachung der Übersterblichkeit großer Teile Europas. Ihm sind inzwischen 18 europäischen Staaten, die vier Landesteile des Vereinigten Königreiches sowie die zwei deutschen Bundesländer Berlin und Hessen angegliedert.

 Warum Deutschland dort nicht generell teilnimmt, sollte die Politik beantworten. Transparenz würde jedenfalls viele ungeklärte Fragen beantworten und somit den Ultras auf beiden Seiten die Verbohrtheit nehmen. Solange allerdings wichtige Parameter der Statistik nicht offengelegt werden, muss man sich nicht wundern, dass es Protest gibt.

(6.1.2021)


Die Naivität der Zivilisten

Protest ohne Struktur ist wie Wattebällchen gegen Godzilla

Für alle, die sich hinterher beschweren, dass sie vom "uniformierten Schwarzen Block" verletzt wurden:

 

Wenn ich weiß, dass mein Gegenüber durchaus auch mit körperlicher Gewalt reagieren könnte, stelle ich mich nicht auf die Strasse und biete mich als Zielscheibe an. Für diesen Fall muss ich meine Taktik ändern. Die andere Seite ist gut ausgebildet, organisiert und strukturiert und somit auch bei zahlenmäßiger Unterlegenheit weit überlegen.

Das müsste jedoch nicht so sein, wenn es ein besseres Konzept gäbe...

 

Also hört auf, euch zu echauffieren. Analysiert ihre Strategien und Denkmuster. Organisiert Euch!


"HE IS SLOWLY TRYING TO ELIMINATE ANY WEBSITE THAT DOESN’T CONFORM TO HIS CONSUMERIST WORLD VIEW"

Für diesen Satz über Facebook-Chef Mark Zuckerberg wurde Roger Waters (ehem. Pink Floyd) noch im Sommer 2018 vom "Musikexpress" angegriffen. Inzwischen ist es mehr als deutlich real...


Adenauers Enkel

oder: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?


Wahlentscheidung für 2021:


Ein Ei drüber klopfen und kurz anbraten oder "Was sind Umfragen wert?"

Laut Umfrage von Infratest im Auftrag der ARD DEUTSCHLANDTREND Extra sind 71% der Deutschen für die Schließung von Bars und Kneipen, jedoch 57% gegen die Schließung von Restaurants.

Klar, dass der Pöbel in den Kneipen in Scharen um die Tische coronisiert, während sich die Betuchten in den Restaurants den Lockdown mit Schampus runterspülen...

Gleichzeitig sind fast 80% der erfolgreich eingeschüchterten Bevölkerung für strengere Regeln. So hat eine knappe Mehrheit außerdem kein Problem damit, Theater und Kinos dem Bankrott preiszugeben und seine Freizeit ohne Freunde zu Hause zu verbringen, während sich seine Schrazen im kalten Klassenzimmer die Nieren herunterkühlen.

 

Dabei fühlen sich etwa 30% häufiger einsam als früher. Wenn die alle zu den Demos gingen...

 

Kann mir das irgendwer mal erläutern? Oder müsste man generell über solche Umfagen und/oder die Bevölkerung selbst ein Ei klopfen?


Peak mit homöopathischen Corona-Anteil

In KW 33 (10.-16. August 2020) gab es in Deutschland laut Destatis einen Peak in der Übersterblichkeit. Der Anteil derer, die an Corona gestorben sind ist mit 27 jedoch überschaubar. Wie die Grafik weiterhin deutlich zeigt, ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Peaks gekommen, die sich im Verleich zu anderen Jahren deutlich hervorheben. Die Influenza 2018 zeigt etwa in KW10  einen vielfach höheren Peak als in irgend einem anderen Jahr. Auch Anfang 2017 kam es zu einem Anstieg, der bisher in 2020 nicht annähernd erreicht wurde. Über die damaligen Maßnahmen zur Pandemieeindämmung sollte die Bundesregierung einmal Stellung nehmen.

Hier kann man die Entwicklung der wöchentlichen Sterbefallzahlen verfolgen, allerdings nur mit einer Verzögerung von 5 Wochen. Anfang 2021 wissen wir dann aber, ob 2020 eine generelle Übersterblichkeit herrschte. Bisher schaut es allerdings nicht danach aus.


Andreas Rebers und die Clowns


Die Bundesregierung muss die "Gottbegnadeten-Liste" aktuallisieren

Diese Künstler leben schon nicht mehr

 

Die Gottbegnadeten-Liste war eine 1944 in der Endphase des Zweiten Weltkrieges von Joseph Goebbels und Adolf Hitler zusammengestellte Liste. Auf 36 Seiten waren 1041 Künstler aufgeführt, die dem nationalsozialistischen Regime wichtig erschienen. Der Name beruht auf dem Aktentitel der Liste[1][2] und war folglich der offizielle, vom Reichsministerium verwendete Begriff.

 

Quelle: wikipedia

(diese Kolumne darf als Satire verstanden werden, wobei es nicht unmöglich erscheint, dass die Bundesregierung über eine neue Liste nachdenkt)


Erich Weinert

FERIENTAG EINES UNPOLITISCHEN

Der Postbeamte Emil Pelle
hat eine Laubenlandparzelle,
wo er nach Feierabend gräbt
und auch die Urlaubszeit verlebt.

 

Ein Sommerläubchen mit Tapete,
ein Stallgebäude, Blumenbeete,
hübsch eingefaßt mit frischem Kies,
sind Pelles Sommerparadies.

 

Zwar ist das Paradies recht enge
mit fünfzehn Meter Seitenlänge;
doch pflanzt er seinen Blumenpott
so würdig wie der liebe Gott.

 

Im Hintergrund der lausch’gen Laube
kampieren Huhn, Kanin und Taube
und liefern hochprozent’gen Mist,
der für die Beete nutzbar ist.

 

Frühmorgens schweift er durchs Gelände
und füttert seine Viehbestände.
Dann polkt er am Gemüsebeet,
wo er Diverses ausgesät.

 

Dann hält er auf dem Klappgestühle
sein Mittagsschläfchen in der Kühle,
Und nachmittags, so gegen drei,
kommt die Kaninchenzüchterei.

 

Auf einem Bänkchen unter Eichen,
die noch nicht ganz darüber reichen,
sitzt er, bis daß die Sonne sinkt,
wobei er seinen Kaffee trinkt.

 

Und friedlich in der Abendröte
beplätschert er die Blumenbeete
und macht die Hühnerklappe zu,
dann kommt die Feierabendruh.

 

Er denkt: „Was kann mich noch gefährden
Hier ist mein Himmel auf der Erden!
Ach, so ein Abend mit Musik,
da braucht man keine Politik!

 

Die wirkt nur störend in den Ferien,
wozu sind denn die Ministerien?
Die sind doch dafür angestellt,
und noch dazu für unser Geld,

 

Ein jeder hat sein Glück zu zimmern.
Was soll ich mich um andre kümmern?“
Und friedlich wie ein Patriarch
beginnt Herr Pelle seinen Schnarch.

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Dieses Gedicht schrieb der Dichter Erich Weinert im Jahre 1930. Nur knapp drei Jahre später erfolgte die Machtübertragung an die Faschisten unter Hitler.


Dziuks Küche - In der Zeit

 

wirf n Blick zur Kneipe raus und sag mir, was du siehst
der Marsmensch da im Anzug, die Zeitung, die er liest
welche Art von Irrsinn wird es diesmal wieder sein
der demnächst hier um die Häuser zieht, privat und allgemein
manche werden denken, dass sich gar nichts mehr hier lohnt
der eine wird nach Waffen schreien, der andre nach dem Mond
es kommt & geht und liegt dort in der Luft wie ein Magnet
man kann es beinah greifen, nur ist es leider nicht konkret
mh, so gut, so weit
ah ja: wir liegen in der Zeit

kühle Augen, hübscher Mund, das Bild von einer Frau
wo immer das verlorenging, nicht mal das weiß ich genau
es wird so viel geredet und herumanalysiert
man dreht sich um und fragt sich: ist hier jemals was passiert?
Wo sind die alten Seiten, Fritz, und wo deine Partei
ich kann sie nirgends finden, die Zeiten sind vorbei
was anfing als Bewegung, ist angekommen da
wo`s trotz des Sturms im Wasserglas vielleicht schon immer war
mh, so gut, so weit
ah ja: wir liegen in der Zeit

inzwischen sind Dämonen auferstanden und muTIERen
wo Satansbraten ungestört die Hölle zelebrieren
Verlegenheit am Stammtisch der Dunkel-Kommunalen
nicht, daß sie`s gar missbilligten, nur macht`s halt rote Zahlen:
„Datenhighway, DNS… naja, da müssn wa hin…
fresst Kreide, Leute, nützt ja nix… iss`n wichtiger Termin…“
wer reibt sich da die Hände so heimlich hinter´m Licht
als hätte hier rein gar nichts mehr ein wirkliches Gesicht
mh, so gut, so weit
ah ja: wir liegen in der Zeit

„es dauert nicht mehr lang“ – sagt der Weltuntergangsprophet
ich wage zu behaupten, dass die Welt sich weiterdreht
zumindestens so lang noch, wie sein Deckel hier konkret
sowas von offensteht

oh, Luzy geht es gut, da oben im Penthouse lebt sich´s leicht
solange nur der Fahrstuhl dort den Keller nicht erreicht
sei so gut, bestell mir noch ´n Cognac zum Kaffee
wie lang wenigstens WIR sie noch im Schrank ha´m, weiß man nie
mh, so gut, so weit
ah ja: wir liegen in der Zeit

(Text/Musik: Danny Dziuk)
Album: HAUPTSACHE WIND (2001)

 


Mehr Mut zum Streit!

Markus Söder will die Corona-Pandemie schneller, effektiver und vor allem einheitlicher bekämpfen. Bisher haben sich Bund und Länder über alle Schritte abgesprochen und sind in Einzelfragen trotzdem verschiedene Wege gegangen. Das hält der bayerische Ministerpräsident für schädlich. Fehlt es an Einheit oder nicht doch eher an Wissenschaftlichkeit? Wissenschaft heißt, dass man Hypothesen nicht mit Wahrheit verwechselt.

...

Die Autor:innen der jüngst veröffentlichten „Great-Barrington-Erklärung“, Martin Kulldorf, Sunetra Gupta und Jay Bhattacharya, sind aber ein anderer Fall. Kulldorf zum Beispiel war 1997 in die Beratergruppe für Krankheitskartierung der Weltgesundheitsorganisation WHO berufen worden. Er hat auch für das EU-Forschungsprojekt ADVANCE zur zeitgerechten und evidenzbasierten Analyse von Impfeffekten gearbeitet. Muss man betonen, dass das nicht heißt, dass er und seine Kolleg:innen „recht haben“? Es heißt nur, dass etwas nicht stimmt, wenn sie wie „Covidioten“ behandelt werden. Ebendas geschieht aber.

Die drei Forscher:innen haben erklärt, die gegenwärtige Corona-Politik sei falsch; man solle die Risikogruppen schützen, ansonsten aber die Herdenimmunität anstreben, statt auf den Impfstoff zu warten. Ohne Herdenimmunität verschwinde das Virus niemals. Das ist eine der großen Streitfragen. Klar ist jedenfalls, dass, wenn es nicht verschwindet, auch die Absenkung unserer Grundrechte immer bleibt. Und was den Impfstoff angeht: Lange hieß es, wenn er da sei, könnten alle Maßnahmen aufgehoben werden. In den letzten Wochen ist das zurückgenommen worden. Nach einem Gesetzesentwurf, der jetzt vorgelegt wurde, sollen die Ausnahmeregelungen „verstetigt“ werden. Natürlich nur, wenn es notwendig sei. Aber wird denn die Frage, ob es notwendig ist, überhaupt gestellt? Die Frage zum Beispiel, ob das pure Starren auf die Infektionszahlen die gegenwärtige Politik rechtfertigt. Wer infiziert ist, ist deshalb noch nicht krank. Am Anfang des Jahres wurde mit Hinweis auf diese Zahlen die Gefahr einer Überlastung der Krankenhäuser beschworen. Das war damals als Vorsichtsverhalten richtig. Nachdem aber der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, jetzt wieder von einem Personalmangel in den Kliniken sprach, hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz vor „Panikmache“ gewarnt: „Die Intensivstationen in Deutschland sind weit weg von einer Überlastung“, so Vorstand Eugen Brysch.

...

Eine öffentliche Debatte zwischen den beiden Parteien wird nicht nur nicht herbeigeführt, sondern sogar massiv verhindert. So erreichte Corona Fehlalarm?, das Buch von Karina Reiss und Sucharit Bhakdi, den ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste, obwohl es in allen größeren Medien totgeschwiegen worden war. Dabei ist auch Bhakdi, wie immer man zu seiner Einschätzung steht, ganz sicher kein „Covidiot“. Er ist Infektionsepidemiologe, neben vielen wissenschaftlichen Auszeichnungen erhielt er 2005 den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Seine Thesen „werden von einer überwiegenden Mehrheit der Experten als unwissenschaftlich eingestuft“, liest man bei Wikipedia. Aber mindestens, wenn er fragt: „Warum gab es nicht mal eine Diskussionsrunde, einen offenen sachlichen Austausch: Drosten und Wieler – Bhakdi und Wodarg an einem runden Tisch?“, hat er ganz sicher recht. Dass es eine solche öffentliche Debatte nicht gibt, ist ein politischer Skandal ersten Ranges. Bei Immanuel Kant lesen wir, Aufgeklärtsein heiße, sich nicht einmal vom Arzt die eigene Entscheidung abnehmen zu lassen. Wie nun erst, wenn „There is no alternative“ gelten soll, nicht nur ökonomisch, sondern auch medizinisch – als gäbe es nur Herrn Drosten, der übrigens zwar Virologe, aber kein Epidemiologe ist, und sonst nur Kurpfuscher? Dann müssen wir um unsere Demokratie zittern.

Quelle: Der Freitag


Die Freiheit der Kapitalinteressen

Die Regulierung der Freizeit ist Ausdruck einer bestimmten Regierungsmoral. Derweil darf der Betrieb nicht unterbrochen werden, Hotspots hin oder her

24.10.2020

Würde der französische Philosoph Michel Foucault heute noch leben, er hätte viel zu tun, schließlich befasste sich der 1984 verstorbene Franzose immer wieder mit der gesellschaftlichen Regulierung von Krankheiten und Seuchen: Bei der Bekämpfung von Lepra wurden Gesunde von Kranken getrennt, die Kranken sogar vor die Tore der Stadt gesetzt. Während der Pest kontrollierten die Regierenden die Bürger und Grenzen nahezu lückenlos. Bei den Pocken dann stand nicht mehr die erbarmungslose Externalisierung und auch nicht die Disziplinarmacht im Vordergrund, sondern die Kontrolle der Krankheit, ohne sie gänzlich bekämpfen zu wollen. Daten wurden erhoben, Statistiken erstellt und mittels der Impfung ein Umgang mit den Pocken gefunden.

 

Dieser Umgang mit den Pocken steht, wie der Historiker Philipp Sarasin herausgearbeitet hat, für die heute dominierende Machtform: die liberale Gouvernementalität. Bei dieser darf die (vermeintliche) Freiheit der Bevölkerung nicht zu sehr eingeschränkt werden, sonst droht die liberale Herrschaft an Bindungskraft zu verlieren. Mischt sie sich zu sehr ein, untergräbt sie sich selbst. Die Disziplinierung von außen verschwindet nicht, wird aber ergänzt durch Selbstdisziplinierung. Und Corona zeigt in diesen Tagen: An kaum einem anderen Ort lässt sich die Selbstdisziplinierung besser beweisen als im Privaten, in der Freizeit.

 

Die Regierenden präsentieren sich als handlungsfähig, indem sie etwa Sperrstunden anordnen. Gleichzeitig appellieren sie an das Innere und die Moral, sprechen, wie Gesundheitsminister Jens Spahn neulich, von einem „Charaktertest für die Gesellschaft“. Die jungen Leute sollen nicht mehr vor Kiosken und Bars herumlungern. Ob von diesem bescheidenen Freizeitvergnügen eine Gefahr ausgeht, ist umstritten. Das ficht viele in Zeiten der Gouvernementalität nicht an. So stand am vergangenen Wochenende eine junge Frau im Twitter-Shitstorm, die bei einer ZDF-Straßenumfrage geäußert hatte, dass sie regelmäßiges Feiern vermisse.

 

Die gouvernementale Moralisierung der Freizeit ist „gesprächswertig“, verhältnismäßig ist sie nicht. Was ist eigentlich mit den kaum noch zählbaren Hotspots in Logistikzentren und Fleischfabriken? Nun darf zwar in einigen Städten ab 23 Uhr kein Alkohol mehr getrunken werden; weiter erlaubt ist es aber, am nächsten Morgen Nase an Nase, wenn auch mit Maske, im voll besetzten Bus zur Arbeit zu fahren. Auch das ist typisch für die gouvernementale Macht: Es geht in erster Linie nicht um die Freiheit der Regierten, sondern um die Freiheit für das Kapital.

Quelle: Der Freitag


Klaus Kinski auferstanden oder: wie irre ist Herr Lauterbach?

Herr Lauterbach erinnert mich in dieser Folge von "Hart aber fair" an Erich (ich-liebe- euch-doch-alle) Mielke. Wieviel Wahnsinn in Führungsebene trägt die deutsche Bevölkerung wieder einmal mit? Und wer hat diesen Pausenclown gewählt?


Die zentrale Rolle von Corona muss zurücktreten

Interview mit Prof. Dr. Klaus Püschel             vom 16.09.2020 (Apotheken Umschau)

10.10.2020

"Die zentrale Rolle von Corona muss zurücktreten...Wir sollten sie sehen wie andere Viruserkrankungen..." Danke, Herr Prof. Püschel.

 

Hendrik Streeck äußert sich ähnlich. Wenn man mit offenen Sinnen die Welt betrachtet, muss man genau zu dieser Analyse kommen. Bei den Entscheidungsträgern fehlt's da jedoch an entscheidender Stelle. Immerhin haben sie es geschafft, ein eh schon denkfaules Wahlvieh in Angststarre zu versetzen, unfähig zu rationalen Überlegungen.



Streeck für ein Ende des Krisen- und Panikmodus

09.10.2020

Die Angst vor dem Coronavirus sei häufig irrational. Zu häufig würden kleinste Nebenrisiko-Wahrscheinlichkeiten zu großen Themen von Politik und Medien. "Das Virus ist zu politisch geworden, obwohl es eigentlich nicht politisch sein sollte", klagte der Virologe.

Streeck plädiert für ein Ende des Krisen- und Panikmodus, der Umgang mit dem Virus müsse zur in ein normales Risikohandling wie bei vielen anderen Risiken des Lebens auch übergehen. Ängste zu schüren sei der falsche Weg, weil man damit die Gesellschaft spalte und die Akzeptanz für eigenverantwortliche Achtsamkeit schwäche.

Maskenpflichten etwa an der frischen Luft seien unsinnig. "Wir brauchen einen Wechsel im Krisenmanagement. Wir dürfen die Krise nicht verwalten, sondern müssen Lösungen finden. Sorgsam pragmatische Lösungen", empfiehlt der Virologe.

 

Die Infektionszahlen dürften nicht mehr im Haupt-Fokus stehen. Man müsse auch den echten Krankheitsausbruch ins Auge fassen wie die Auslastung in der stationären Behandlung und der Anteil der belegten Intensivbetten. Dementsprechend definierte Schwellenwerte könnten somit striktere Maßnahmen im Alltagsleben vorgeben.

Streeck wies darauf hin, dass die Sterblichkeitsrate höchstens bei 0,37 Prozent liege. Die gut erforschte brasilianische Metropole Manaus melde eine Sterblichkeitsrate von 0,28 Prozent. "Das lässt sich einordnen", meint Streeck.

 

"Viele von uns werden Bekanntschaft mit diesem Virus machen, ob wir wollen oder nicht."

 

Corona sei deutlich gefährlicher als normale Grippewellen, aber "Corona wird nicht unser Untergang sein". Man verzeichne in großen Ballungsräumen der Erde zusehends eine Herdenimmunität. Streeck nennt dazu als Beispiele Brasilien, die USA, Schweden und Indien.

 

Quelle: web.de


Verschobene Grenzen

Die Politik ist blind für die Einsicht, dass sie sich selbst begrenzen muss. Immer öfter erliegt sie der autoritären Versuchung

Die Nachrichten und Bilder, die uns vom anderen Ende der Welt erreichten, sind erschreckend. Zu sehen waren verletzte Demonstranten in Sydney und zu Boden gebrachte Protestierer in Melbourne, deren Arme auf dem Rücken fixiert und denen von Polizisten Masken verpasst wurden. Zuvor war Down Under ein bedrückendes Video viral gegangen, das die Festnahme einer 28-jährigen schwangeren Frau zeigt, der noch im Schlafanzug Handschellen angelegt wurden, obwohl sie keinerlei Widerstand leistete. Ihr Vergehen: Sie hatte im Internet zu Protesten gegen einen seit Juli wieder verhängten regionalen Lockdown aufgerufen.

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Wer die Berichterstattung um die seit März anhaltenden Proteste verfolgt, wird den Eindruck nicht los, dass die Mehrheit jede Kritik an den Maßnahmen von Bund und Ländern für verantwortungslos hält. Immerhin geht es um Leben und Tod. Die Eindämmungsmaßnahmen, die sich in den letzten Monaten recht häufig änderten, oft auch widersprüchlich waren, manchmal willkürlich wirkten und die jüngst selbst Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Rückblick kritisch hinterfragte, wurden fast in den Rang von Verfassungsgrundsätzen erhoben.

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Schon jetzt ist klar, dass die vergangenen Monate das Verhältnis von Staat und Bürgern nachhaltig verändert haben. Denn die Behörden greifen nicht nur in die Gesichter der Menschen, sondern auch in privateste Lebensbereiche ein. Die Grenzen werden dabei immer weiter verschoben und machen auch nicht vor den eigenen vier Wänden der BürgerInnen halt, wie Anfang August bekannt gewordene Schreiben von Gesundheitsämtern zeigen. Darin werden Eltern unter Androhung der Inobhutnahme durch das Jugendamt zur räumlichen Isolierung ihrer möglicherweise coronainfizierten Kinder innerhalb des eigenen Haushalts aufgefordert.

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Die deutsch-israelisch-iranische Autorin Rebecca Niazi-Shahabi warnte vor kurzem vor der autoritären Versuchung eines Hygieneregimes: „Denn das Schlimme am Totalitarismus ist ja nicht, dass Böse Böses vorhaben, sondern dass das Gutgemeinte maßlos ausgedehnt wird, bis es schließlich alles andere in der Gesellschaft verschlingt. Der oder die ‚total Gute‘ ist auch deswegen so gefährlich, weil die total Guten bis zum letzten Moment glauben, sie seien auf der richtigen Seite. Sie sind völlig blind für die Einsicht, dass man sich selbst begrenzen oder von anderen begrenzen lassen muss – gerade in seinen besten Absichten.“ Ja, diese Zeiten machen es einem wirklich leicht, sich als der bessere Mensch zu fühlen. Man muss nur zu Hause bleiben, ein Foto mit Maske posten und sich in einem schnellen Tweet über die Mitmenschen echauffieren, die ihren Urlaub im Ausland verbringen, mit der Familie feiern oder von ihren Grundrechten Gebrauch machen.

Quelle: Rene Schlott/Der Freitag

 


Badespaß im bayrischen Gauting

über kognitive Dissonanz im Schwimmbad

"Langes Warten" auf Security an der Einlasskontrolle, weitreichende Einschränkungen, Sonderregeln, Aufnahme der Kontaktdaten aller Gäste, nicht nutzbare Bereiche wie Rutschen oder Volleyballplatz, Zugangsbeschränkungen und sogar geschlossene Bereiche. Wenn da kein "Badespaß" bei den Bayern aufkommt...Ich geh wohl besser wandern.

Quelle: "Kreisbote" (ungefragt eingeworfene "Kasblatt"-Wurfsendung)


Die tägliche Dosis Pestizid vom Discounter

Discounter geben sich nun wirklich alle Mühe, ihren Kunden die tägliche Dosis Pestizide zu verabreichen. Diese sollten das jedoch wissen und ihre Konsequenzen ziehen. Aber Geiz ist halt geil. Und er macht krank.

 

ALDI Nord (10.6.2020)
In einer Probe seien Rückstände des Pflanzenschutzmittels Oxamyl gefunden worden, teilte das Unternehmen mit. „Der Artikel sollte daher nicht mehr verzehrt werden“, heißt es weiter.

 

Die Eigenschaften, die Insektizide für Insekten tödlich machen, können sie mitunter auch für Menschen tödlich machen. Die meisten schweren Insektizidvergiftungen werden durch Organophosphat- und Carbamat-Verbindungen (Oxamyl) verursacht.


Orwells Dystopie

BIG BROTHER IS WATCHING YOU
George Orwells 1984 ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäre Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild einer durch und durch totalitären Gesellschaft, die bis ins letzte Detail durchorganisierte Tyrannei einer absolute autoritären Staatsmacht. Seine düstere Vision hat einen beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich auch der Leser von heute nur schwer entziehen kann.

60 Jahre nach "1984"

Ilija Trojanow und Juli Zeh:                           Angriff auf die Freiheit (2009)

Alle sind scharf auf private Daten. Der Staat möchte die biologischen Merkmale der Bürger kennen. Die Wirtschaft sammelt Informationen über die Vorlieben ihrer Kunden. Arbeitgeber suchen mit illegalen Überwachungen nach schwarzen Schafen unter ihren Mitarbeitern. Die Warnungen vor Terror und Wirtschaftskriminalität lenken von einer Gefahr ab, die uns allen droht: der transparente Mensch. Bevor es so weit kommt, intervenieren Juli Zeh und Ilija Trojanow mit einer engagierten Kampfschrift. Wie viel sind uns unsere Bürgerrechte noch wert? Wer bedroht unsere Demokratie stärker: militante Islamisten oder die Befürworter einer totalen Überwachung? Wie können wir uns gegen den schleichenden Verlust unserer Freiheit wehren? Dieses Buch, zornig, ironisch, und hoch informativ zugleich, wird viele Menschen aufrütteln, die sich zu lange in falscher Sicherheit wiegten.


Achtung, Killervirus!

Rechtsmediziner Püschel kritisiert Corona-Debatte

Im Gespräch mit der "Zeit" sagt Püschel: "Wir als Gesellschaft stellen diese Toten gerade derart in den Mittelpunkt, dass alle Angst bekommen. Alle denken: Killervirus! Sie lesen die nackten Zahlen, über 8000 Tote, und denken: Als Nächstes bin ich dran."

Besonders stört ihn, wie mit Senioren umgegangen wird. "Alte Menschen brauchen ihre Familie. Direkt an ihrem Bett, anwesend, gerade die Schwerkranken!" Gleichzeitig betont Püschel, dass in seinen Augen der Schutz der Alten nicht über den Belangen der anderen stünde. "Das muss man in die richtige Relation setzen.

Auch medizinisch ist es zweifelhaft, jeden retten zu wollen."

 

Der 68-Jährige, der im Oktober in den Ruhestand gehen wird, plädiert für einen selbstbestimmten Umgang mit dem Risiko. „Rational wäre, die Pandemie einfach einzuordnen unter die vielen Gefahren und Krankheiten, die es auf der Welt und im Leben gibt. Ich sehe bei mir im Institut immer wieder Menschen liegen, die für sich ganz bewusst große Risiken akzeptiert haben. Als Raucher, beim Essen, beim Sex. Sollen sie doch, solange sie damit niemand anderen gefährden. Leben wir unser Leben, solange wir es haben.“

 

"Die sorgfältige Untersuchung der Toten belegt, dass schwerwiegende und tödliche Verläufe der Krankheit in einem nicht überlasteten System von öffentlichem Gesundheitswesen und Krankenhäusern selten sind. Betroffen sind davon in Hamburg, bei aller individuellen Tragik dieser Fälle, bisher Personen, die bereits zuvor körperlich beziehungsweise immunologisch erheblich kompromittiert waren."

https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=214070


Der Maßstab heißt Grippe

Appell Um der Pandemie zu begegnen, müssen wir unseren Umgang mit Risiken neu definieren. 
Von Alexander Kekulé, Julian Nida-Rümelin, Boris Palmer, Christoph Schmidt, Thomas Straubhaar, Juli Zeh

Bis jetzt ist der Kelch an uns vor­über­ge­gan­gen. Die schreck­li­chen Bil­der aus den über­for­der­ten Kran­ken­häu­sern Ita­li­ens ha­ben sich hier­zu­lan­de nicht wie­der­holt. Deutsch­land war gut vor­be­rei­tet und hat recht­zei­tig die Kon­tak­te be­schränkt. Die Be­völ­ke­rung hat sich ver­nünf­tig ver­hal­ten, und so sind heu­te in der Bun­des­re­pu­blik vie­le In­ten­siv­bet­ten frei.

Da­bei geht es nicht um die Fra­ge »Geld, Grund­ge­setz oder Le­ben« – viel­mehr be­din­gen sich die­se Zie­le ge­gen­sei­tig. Nur wenn die Wirt­schaft funk­tio­niert, kön­nen wir die Bür­ger mit grund­le­gen­den Gü­tern ver­sor­gen, die Schwä­che­ren in der Ge­sell­schaft un­ter­stüt­zen und ein leis­tungs­fä­hi­ges Ge­sund­heits­sys­tem auf­recht­er­hal­ten. Sze­na­ri­en des Münch­ner Ifo-In­sti­tuts wei­sen dar­auf hin, dass jede wei­te­re Wo­che des Lock­downs volks­wirt­schaft­li­che Schä­den von bis zu 50 Mil­li­ar­den Euro ver­ur­sa­chen könn­te. Es droht eine Re­zes­si­on, für de­ren Aus­maß es in der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te kein Bei­spiel gibt. Das wird nicht nur bei Wohl­stand und Be­schäf­ti­gung tie­fe Spu­ren hin­ter­las­sen, son­dern auch die all­ge­mei­ne Le­bens­qua­li­tät und den Ge­sund­heits­zu­stand der Be­völ­ke­rung be­ein­träch­ti­gen.

Wir müs­sen da­her aus dem Lock­down so rasch wie mög­lich in eine Pha­se über­ge­hen, die un­se­re Volks­wirt­schaft aus dem Win­ter­schlaf auf­weckt, Ein­grif­fe in un­se­re Grund­rech­te mi­ni­miert und uns den­noch hin­rei­chend vor ei­nem Wie­der­auf­flam­men der Ge­sund­heits­kri­se schützt. Die jetzt ein­ge­lei­te­ten Lo­cke­rungs­maß­nah­men kön­nen die­sen An­spruch nicht er­fül­len. Sie wür­den die Re­pu­blik noch vie­le Mo­na­te, viel­leicht so­gar Jah­re un­ter das Joch der täg­lich wech­seln­den Fall­zah­len stel­len. Wenn sich sol­che un­vor­her­seh­ba­ren Ein­grif­fe in In­ter­val­len wie­der­ho­len, wirkt das zer­stö­re­risch, auf die Wirt­schaft ge­nau­so wie auf die Psy­cho­lo­gie der Be­völ­ke­rung.

...Den rich­ti­gen Weg könn­te uns der Um­gang mit ei­ner an­de­ren Krank­heit wei­sen, die uns seit Be­ginn der Zi­vi­li­sa­ti­on be­glei­tet und für de­ren Ri­si­ken wir ei­nen ge­sell­schaft­lich ak­zep­tier­ten Um­gang ge­fun­den ha­ben: die Grip­pe.

Nach An­ga­ben des Ro­bert Koch-In­sti­tuts ster­ben im Zu­sam­men­hang mit In­flu­en­za-In­fek­tio­nen al­lein in Deutsch­land bis zu 25 000 Men­schen jähr­lich, un­ter ih­nen sind auch jun­ge Pa­ti­en­ten und Kin­der. Die­ses Ri­si­ko neh­men wir als Ge­sell­schaft hin, ohne über Lock­downs oder auch nur eine Impf­pflicht nach­zu­den­ken – es ist der un­aus­ge­spro­che­ne Preis der Frei­heit und des wirt­schaft­li­chen Wohl­stands.

Mit die­sem be­kann­ten und ak­zep­tier­ten Ri­si­ko als Maß­stab kön­nen wir eine Stra­te­gie für den Um­gang mit dem neu­en Co­ro­na­vi­rus ent­wer­fen. Hier­bei hilft uns die Tat­sa­che, dass Co­vid-19 für die Be­völ­ke­rung nicht ge­fähr­li­cher ist als die Grip­pe, wenn man be­stimm­te Ri­si­ko­grup­pen und Men­schen über 65 Jah­ren ge­zielt vor In­fek­tio­nen schützt. Denn die Wahr­schein­lich­keit, an Co­vid-19 zu ster­ben, dürf­te für jün­ge­re Al­ters­grup­pen ohne chro­ni­sche Vor­er­kran­kun­gen kaum grö­ßer sein als bei ei­ner schwe­ren Grip­pe. Sie liegt also um den Fak­tor 50 nied­ri­ger als bei Hoch­alt­ri­gen.

...

Vor die­sem Hin­ter­grund muss klar­ge­stellt wer­den: Es geht nicht um dis­kri­mi­nie­ren­de Zwangs­maß­nah­men für äl­te­re oder vor­er­krank­te Men­schen. Ein Vor­ge­hen, das un­ter­schied­li­che Ri­si­ken be­rück­sich­tigt, zielt nicht auf eine Be­nach­tei­li­gung be­stimm­ter Be­völ­ke­rungs­grup­pen, son­dern auf ih­ren be­son­de­ren Schutz. Au­ßer­dem geht es dar­um, die All­ge­mein­heit zu ent­las­ten, was so­wohl ver­fas­sungs­recht­lich wie öko­no­misch ge­bo­ten ist.

...

Dass man­che Men­schen stär­ker durch das Co­ro­na­vi­rus ge­fähr­det wer­den als an­de­re, ist kei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung, son­dern eine bio­lo­gi­sche Tat­sa­che. Pan­de­mie­plä­ne se­hen fol­ge­rich­tig vor, dass der Schutz auf die be­son­ders be­droh­ten Grup­pen zu kon­zen­trie­ren ist, wenn sich die Aus­brei­tung des Vi­rus nicht mehr kom­plett un­ter­drü­cken lässt. Gleich­be­hand­lung nach dem Grund­ge­setz kann auch be­deu­ten, Un­glei­ches un­gleich zu be­han­deln, also sach­li­che Un­ter­schie­de zu be­rück­sich­ti­gen.

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Mo­men­tan wer­den die Grund­rech­te für die ge­sam­te Be­völ­ke­rung in man­chen Be­rei­chen fast auf null ge­setzt. Wenn wir auf jeg­li­che Dif­fe­ren­zie­rung ver­zich­ten, da­mit sich nie­mand dis­kri­mi­niert fühlt, fal­len die Ein­schrän­kun­gen für alle viel grö­ßer aus. Wir müss­ten den Lock­down auf­recht­er­hal­ten, bis ein Impf­stoff be­reit­steht. Dies wird frü­hes­tens in ei­nem Jahr, viel­leicht deut­lich spä­ter oder auch nie der Fall sein – bis­her gibt es ge­gen kei­nes der zahl­rei­chen be­kann­ten Co­ro­na­vi­ren ei­nen Impf­stoff.

Un­ser Ziel muss es sein, schnel­ler als das Vi­rus zu wer­den. Ein paar zu­sätz­li­che Mit­ar­bei­ter bei den Ge­sund­heits­äm­tern ge­nü­gen da­für nicht.

 

Quelle: Der Spiegel (Ausgabe 18/2020)


Ein Virus lässt hoffen

Ölmultis verlieren Milliarden

 

"Seit dem Ausbruch der weltweiten Coronakrise sieht sich die Ölindustrie einem noch nie dagewesenen Problem gegenüber: Die Nachfrage nach der wichtigsten Energiequelle der Welt bricht von heute auf morgen ein...

Schon in den ersten drei Monaten des Jahres bricht der Umsatz der fünf Branchenriesen Exxon Mobil, Shell, Chevron, BP und Total im Vergleich zum Vorjahr um satte 50 Milliarden US-Dollar ein. Damit schmelzen auch die Gewinne. Zusammen verdient Big Oil im ersten Quartal so gerade mal etwas über eine Milliarde Dollar.

...Schon Anfang April mussten viele Fracking-Unternehmen in den USA ihre Produktion stilllegen, weil es schlicht nicht genug Lagerkapazitäten für das geförderte Rohöl gab, oder weil die oft hoch verschuldeten Bohrfirmen es sich nicht mehr leisten konnten bei den teilweise negativen Preisen weiter zu produzieren." (Handelsblatt)

 

Mein Kommentar:

Schön, dass dieses Virus für das voraussichtliche Ende des umweltfeindlichen Frackings sorgt. Insgesamt hat sich die Branche ja immer einen Teufel um Umweltschutz geschert. Wer die Umweltsünden der Konzerne kennenlernen will, kann sich darüber gern beim WWF informieren:

 

https://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Hintergrundinformation-Profit-um-jeden-Preis-OElfoerderung-in-Naturregionen.pdf

Außerdem sind Plastikmüll in den Verdauungsorgane von Fischen und für Mensch und Natur schädliche Abgase aus Verbrennungsrückständen nur zwei der Produkte, welche für diese Industrie stehen. Da ist es jetzt mehr als gerecht, wenn wir dieser perversen Meschpoke genüsslich beim Sterben zusehen dürfen. Die Natur wird es ebenso empfinden.


Jakob Augstein: Bizarre Blüten

...Politik bedeutet die Abwägung vieler Interessen und nicht die Unterordnung aller Interessen unter ein einziges Prinzip – dazu taugt nicht einmal der Schutz des menschlichen Lebens. Es ist, so paradox das auf den ersten Blick auch erscheinen mag, nur ein Gut unter anderen. Darum leisten weder Staat noch Gesellschaft jederzeit alles dafür, absolute Sicherheit für jedes einzelne menschliche Leben zu gewährleisten. Aber in der Corona-Krise soll das plötzlich gelten.

Aus irgendeinem Grund haben sich Staat und Gesellschaft auf diesen „Pandemie-Absolutismus“ festgelegt, und man gewinnt den Eindruck, je höher der Einsatz wird – an menschlichem Leid und wirtschaftlichen Kosten –, desto weniger können wir von dieser Entscheidung abrücken.

 

Dabei lässt sich ein verantwortungsvoller Weg aus dieser Krise ja vorstellen: Die Kindergärten müssen geöffnet werden und die Schulen in den unteren Klassen. Im Alltag muss Rücksicht auf die gefährdeten Gruppen genommen werden, das sind die sehr Alten und die Menschen mit zwei Vorerkrankungen; auf Großveranstaltungen werden wir lange verzichten müssen, aber Restaurants, Theater und Kinos müssen öffnen. Vor allem: Einen zweiten Lockdown darf es nicht geben.

...

Ist niemandem aufgefallen, wie sonderbar es ist, dass sich beim Streit um die „Lockerungen“ – ein Begriff, den man vor allem aus dem Strafvollzug kennt – diejenigen rechtfertigen mussten, die für eine Rückkehr zu den bürgerlichen Freiheiten eintraten, und nicht diejenigen, die weiterhin Freiheiten beschneiden wollten?

 

Stattdessen haben wir eine Umkehr der Beweislast, die bizarre Blüten treibt. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb über das Ergebnis einer Studie zur Wirkung von Schulschließungen: „Kurz gesagt: Wir wissen nicht, wieviel Schulschließungen bringen. Schulöffnung muss daher sehr gut epidemiologisch vorbereitet sein.“

 

Wir kennen also nicht den epidemiologischen Nutzen einer einschneidenden Maßnahme, wir kennen hingegen sehr gut ihre verheerenden sozialen und psychologischen Folgen – und dennoch soll die Aufhebung dieser Maßnahme in die Hände der Epidemiologen gelegt werden? Willkommen in der Corona-Welt.

...

Susan Sontag hat vor vielen Jahren geschrieben: „Es ist kein wünschenswertes Ziel, dass die Medizin ‚total‘ sei, ebenso wenig wie der Krieg.“ Wir aber sind auf dem Weg in das Zeitalter der totalen Medizin. In diesem unbekannten Land, dem wir uns nähern, könnten die seelischen, die sozialen und die wirtschaftlichen Verwüstungen auf Dauer tatsächlich mit denen des Krieges mithalten.

(Quelle: Der Freitag)


Quelle: Deutschlandfunk
Quelle: Deutschlandfunk

Es gibt Fachleute, die diese Ausrichtung auf die Intensivbehandlung von Corona-Patienten kritisch sehen, und die vor ethischen Problemen warnen. Einer von ihnen ist Matthias Thöns, er ist Facharzt für Notfall- und Palliativmedizin in Witten in Nordrhein-Westfalen. Er hält die Ausrichtung der Politik auf die Intensivbehandlung von COVID-19-Erkrankten für einseitig.

Peter Sawicki: Herr Thöns, Sie sagen, dass eine ethische Katastrophe in Sicht ist. Was genau meinen Sie damit?

Matthias Thöns: Na ja, die Politik hat jetzt eine sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung, auf das Kaufen neuer Beatmungsgeräte, auf Ausloben von Intensivbetten. Und wir müssen ja bedenken, dass es sich bei den schwer erkrankten COVID-19-Betroffenen, so nennt man ja die Erkrankung, meistens um hochaltrige, vielfach erkrankte Menschen handelt, 40 Prozent von denen kommen schwerstpflegebedürftig aus Pflegeheimen, und in Italien sind von 2.003 Todesfällen nur drei Patienten ohne schwere Vorerkrankungen gewesen. Also es ist eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin, und jetzt wird so eine neue Erkrankung diagnostiziert und da macht man aus diesen ganzen Patienten Intensivpatienten.


Quelle: Watson
Quelle: Watson

Einer, der verstorbene Covid-19-Infizierte untersucht, ist Johannes Friemann, Leiter der Pathologie am Klinikum Lüdenscheid. Im Interview mit der "Welt" hat er seine Erkenntnisse aus Obduktionen von Kollegen und von eigenen Untersuchungen erklärt.

Aus den Organen der sezierten Toten lese ein Pathologe "wie in einem Buch". Über die Todesursache bei Corona-Patienten sagt Friemann: "Neben einem meist im Vordergrund stehenden Lungenversagen sehen wir auch Vorerkrankungen, die für sich genommen bereits allein geeignet sind, einen Menschen zu töten."

Bereits seit Anfang der Pandemie ist bekannt, dass ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen ein höheres Risiko haben, an Covid-19 zu sterben.

 

Durch Corona werde ein "aus anderen Gründen bereits drohender Tod vorverlegt", sagt Friemann.

 

Auch Friemanns Kollege Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Zeitung" kürzlich gesagt: "Es gibt nicht 'den' Corona-Toten, wie es die Statistik suggeriert."

"Sehr viele Todesursachen" im Zusammenhang mit Corona

Es sei klar festzustellen, dass die Vorkrankheiten eine sehr wesentliche Rolle für den Verlauf der Krankheit spielten, so der Rechtsmediziner.

In Hamburg seien die Verstorbenen bislang ausnahmslos multimorbide gewesen: Sie litten also an mehreren Krankheiten gleichzeitig, häufig an schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge oder des Herzens, zum Teil auch an Krebs. Außerdem sind die Toten schon älter. Das deckt sich mit den Angaben des Robert-Koch-Instituts: Im Schnitt waren die Verstorbenen in Deutschland bislang 80 Jahre alt. Ganze 86 Prozent der Verstorbenen waren RKI-Angaben zufolge 70 Jahre und älter.


Das Virus hautnah

Interview mit einem Intensivmediziner

aus dem Interview:

Ist es nicht normal, dass man Angst hat vor dem Virus?

Menschen sterben. Immer. Auch junge Menschen. An Verkehrsunfällen, Infektionen, an Krebs, an schweren Autoimmunerkrankungen. Aber die aktuellen Todeszahlen werden sonst nie im Fernsehen gezeigt. Sondern es wird gar nicht darüber gesprochen.

Wie über die Grippewelle vor zwei Jahren?

Damals gab es wochenlang nicht genug Betten auf der Intensivstation, doch über Todesstatistiken sprach die Öffentlichkeit nicht. Jetzt sind die Menschen plötzlich damit konfrontiert, begleitet von Bildern aus der Intensivmedizin und von LKWs voller Leichen. Diese Bilder treffen auf eine Gesellschaft, die nie über den Tod redet. Die gerade noch mit der Frage beschäftigt war, was für ein Auto ich mir als nächstes kaufe. Wohin ich als Nächstes in den Urlaub fliege...


Fallzahlen völlig spekulativ

Virologe Stefan Willig (Charité) bei Maischberger

Maischberger: ...wir vertrauen lauter Zahlen, von denen man weiß, die sind ohne Gewähr. Wie viele Infizierte gibt es wirklich in Deutschland? Wissen wir das?

 

Willich: Das ist völlig spekulativ. Das ist eine der Zahlen, über die kein Mensch in der Welt Bescheid weiß.

 

Maischberger: Wissen wir denn, wie hoch die Sterblichkeit ist?

 

Willich: Wir wissen aus Italien, für wen diese Krankheit sterblich ist. Damit stellt sich auch die Frage: Wen müssen wir besonders schützen? Das Durchschnittsalter der Todesfälle beträgt dort 80 Jahre. Die Hälfte haben drei oder mehr ernsthafte chronische Erkrankungen, und zwar simultan. Zum Beispiel Diabetes, koronare Herzkrankheit, Nierenfunktionsstörungen, Lungenfunktionsstörungen... Das heißt, wir haben es hier mit einer sehr speziellen Bevölkerung zu tun, einer sehr kranken Gruppe der Bevölkerung. In Deutschland sind zwei Drittel über 80 Jahre alt, 30% sind zwischen 60 und 80 und 5% sind unter 60 Jahren...In dieser Gruppe sterben jeden Winter Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen an der Influenza-Grippe...

 

Maischberger: Wir zählen die Todesfälle und wissen nicht, ob die Gestorbenen an oder mit dem Corona-Virus gestorben sind...

 

Willich: Genau.

 

Maischberger: Was heißt das?

 

Willich: Es ist letztlich eine Einzelfallentscheidung. Wenn Sie einen Patienten haben, der bettlägerig ist mit einer schweren Erkrankung und der noch einige Tage oder Wochen leben kann. Wenn der sich das Corona Virus zuzieht und der Todesfall ausgelöst wird,Wie bewertet man das auf dem Totenschein? In der Regel würde der Arzt sagen: Das ist die Krebserkrankung gewesen... und würde nicht sagen: Das ist ein Corona Todesfall...Die sind aber alle mitgezählt...

 

Maischberger: Frau Merkel möchte gern, dass die Zahl der Verdoppelung der Infizierten von derzeit 6 auf 10 Tage erhöht wird, bevor die restriktiven Maßnahmen gelockert werden.

 

Willich: Diese Zahl ist in die Welt gestellt, um das Durchhalten zu stimulieren.


Parallelwelten in der Nachbarschaft oder:         Asozial im Würmtal

Rücksicht ist keine prägende Eigenschaft von vielen Menschen im Würmtal. Wie also soll man diese Situation sonst anders beschreiben als asozial? Da leben scheinbar intelligente Menschen zusammen und müssen vom Bürgermeister darauf hingewiesen werden,  besser auf ihr soziales Verhalten zu achten. Dazu gehört, sich in die Lage von Fußgängern zu versetzten, die den Fußweg nur deshalb nicht benutzen können, weil die Besitzer ihre Hecken wild wuchern lassen. Auf der Strasse parkende Autos trotz Stellplatz auf dem Hof oder Garage sind ebenso asozial. Und wenn dann doch ein Auto regelmäßig in seiner Garage geparkt wird, stellen sich manche Nachbarn oder deren Besuch so dicht an die Einfahrt, dass der Besitzer rangieren muss, um wieder aus der Garage zu kommen. Außerdem sollten genell Fahrzeuge mit nicht serienmäßg hochgeschraubten Schall-Emissionswerten aus Wohngebieten verbannt werden.

Da haben die Kraillinger Stadtväter und -mütter ebenfalls Handlungsbedarf.

 

Gratulation, Herr Haux. Wer solchen Bürgern elementarste Verhaltensregeln per Wurfzettel erklären muss, kann das Wort "Sozialhilfe" völlig neu interpretieren.

Mir zeigt das einmal mehr, dass Geld und Intelligenz nicht zwangsläufig zusammengehören...


Parallelwelten in der Nachbarschaft oder:         Amateure in Uniform

Welche Ideologie muss jemand verinnerlicht haben, um Zustände wie vor der Reichskristallnacht herbeizuführen? Die Ereignisse in der Asylunterkunft Krailling im Sommer 2019 sprechen für sich. Judikative und Exekutive haben hier bestens bewiesen, welch Geistes Kind sie sind. Oder waren die Beamten einfach nur überfordert? Möglicherweise sollten sie besser Konsequenzen ziehen und ihren Job an den Nagel hängen. Denn ein solch massiver und von Dilettantismus gekennzeichneter Einsatz hätte ohne die vorab notwendigen Informationen schlichtweg nicht durchgeführt werden dürfen.