Badespaß im bayrischen Gauting

über kognitive Dissonanz im Schwimmbad

"Langes Warten" auf Security an der Einlasskontrolle, weitreichende Einschränkungen, Sonderregeln, Aufnahme der Kontaktdaten aller Gäste, nicht nutzbare Bereiche wie Rutschen oder Volleyballplatz, Zugangsbeschränkungen und sogar geschlossene Bereiche. Wenn da kein "Badespaß" bei den Bayern aufkommt...Ich geh wohl besser wandern.

Quelle: "Kreisbote" (ungefragt eingeworfene "Kasblatt"-Wurfsendung)


Eine vertane Chance

Die Institution Polizei gilt als sakrosankt. Medien wie die taz sollten aber die herrschenden Verhältnisse hinterfragen.

Für einen Augenblick sah es so aus, als könnte die deutsche Gesellschaft eine Debatte über die strukturellen Probleme der Polizei – Rassismus, Gewalt und Straflosigkeit – führen. Eine Debatte, die normalerweise überwiegend innerhalb der Linken und ihrer Medien, also auch der taz stattfindet. Befeuert durch die Black-Lives-Matter-Proteste in den USA war zu hoffen, dass sie auch den bürgerlichen Politikbetrieb und die Feuilletons für eine Weile beschäftigen würde.

In dem Moment allerdings, als die Kritik von der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken aufgegriffen wurde, entpuppte sich diese Erwartung als Illusion. Innenminister und Politiker*innen aller Parteien, Leitartikler*innen und die Polizei höchstselbst, machten deutlich, dass sie nicht vorhaben, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Es gebe keinen strukturellen Rassismus, keine übertriebene Polizeigewalt – stattdessen müssten „unsere Polizisten“, wie sie von Horst Seehofer bis Cem Özdemir genannt werden, vor „Generalverdacht“ geschützt werden. Esken wurde zum Kotau gezwungen. Auf Demos gegen rassistische Polizeigewalt wurden junge Menschen, darunter viele BPoC (Black and People of Color), verprügelt.

Alle, die regelmäßig negative Erfahrungen im Umgang mit der Polizei machen – Nichtweiße, sozial Ausgegrenzte, politische Aktivist*innen oder Fußballultras, an denen neue Polizeitaktiken oft zuerst erprobt werden – mussten das als dickes „Fuck you“ verstehen. Sie bleiben allein zurück mit ihren Ängsten vor anlasslosen Kontrollen, gewalttätigen Übergriffen und sich vor Gericht gegenseitig deckenden Polizist*innen.

...

Aus dieser Zurückweisung entsteht Wut, berechtigte Wut, die sich artikulieren muss. Die sich nach Ruhe sehnende Mehrheitsgesellschaft kann froh sein, wenn sich diese Wut nur in der taz Bahn bricht und nicht auf der Straße. Und die taz sollte es zu schätzen wissen, wenn Betroffene in ihr die Möglichkeit sehen, sich zu äußern.

Doch Rainer Wendt, Horst Seehofer und all die anderen geben sich nie zufrieden. Sie toben, wie immer, wenn ihr Instrument der Herrschaftssicherung infrage gestellt wird. Zwei Ereignisse nutzen sie geschickt: den unzweifelhaft ironischen Text der taz-Kolumnist*in Hengameh Yaghoobifarah und die Jugendkrawalle in Stuttgart.

...

Es sollte daher Aufgabe von Medien wie der taz sein, keine Kompromisse zu machen, wenn es darum geht, die herrschenden Verhältnisse zu hinterfragen. Gelingen kann das nur, wenn man sich weder die Narrative bestimmen lässt noch um die Anerkennung in bürgerlichen Kreisen ringt. Deren Eintrittsregeln lauten: Gewalt ist, zumindest hierzulande, reflexhaft aufs Schärfste zu verurteilen, ohne nach den Ursachen fragen zu dürfen. Sowie: Weder ist physische Polizeigewalt ein Problem, noch existiert strukturelle Gewalt in Form von Rassismus und Ausbeutung.

Wer das akzeptiert, verabschiedet sich von linken, staatskritischen Positionen und lässt die gesellschaftlich Ausgegrenzten und Systemkritiker*innen allein.

Quelle: taz

 


Die Welt der Sorge

Erst in Gemeinschaft mit anderen und der Umwelt können wir überleben, sagt der Philosoph Leander Scholz

Wir verstehen es noch nicht ganz. Vermutlich sind es die Tiere und ebenso die Viren, vielleicht noch andere Lebewesen und Parasiten. Sie alle haben sich zusammengetan. Dafür mussten sie sich nicht verabreden, verschwören oder einen Plan ausarbeiten. Sie haben nur ihren Beitrag geleistet. Zur Intelligenz des Planeten. Denn alle Lebewesen zusammen sind schlauer als die Menschen. Die Bäume, die Pflanzen und die Insekten. Die Intelligenz steckt nicht in einem einzelnen Lebewesen. Sie findet sich in der Gesamtheit aller Beziehungen und in der Abhängigkeit aller von allen. Sie sorgt für den Ausgleich unter den vielen Bewohnern der Erde. Je weniger Raum den anderen Lebewesen gelassen wird, desto deutlicher sind die Menschen mit den Folgen ihres eigenen Handelns konfrontiert.

...

Das Leben der Menschen in einer ökologischen Gesellschaft wird auch ihr Sterben verändern. Ohne einen Begriff des eigenen Todes zu haben, bleibt er ein verstörendes Rätsel. Das Leben bricht ab. Diese Sinnlosigkeit kennzeichnet nicht nur das Sterben, sondern auch den Alltag der Menschen. Wenn sie sich nicht als Teil von etwas begreifen können, dann bleibt für ihr Leben nichts anderes übrig, als es zu verlängern, egal unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis. Das wird heute in allen Bereichen sichtbar. Es ist nicht klar, was man will, aber in jedem Fall mehr davon. Ebenso wie die Industriegesellschaft der Nachkriegszeit untergegangen ist, hat auch die Konsumgesellschaft ihren Höhepunkt längst überschritten. Lernen wir endlich zu kooperieren, untereinander und mit den anderen Lebewesen auf dieser Erde.

Quelle: Der Freitag


Smells like Dictatorship

Präsident Trump militarisiert seine Innenpolitik. Der Schaden für das Land ist nicht absehbar

Der martialische Anblick schwer gepanzerter US-Militärfahrzeuge ist den Bewohnern von Bagdad und Kabul schmerzlich vertraut. Nun wurde er auch Bürgern Washingtons und anderer US-Städte zuteil, verursacht durch die eigene Regierung. Die Überreaktion von Donald Trump auf die überwiegend gesetzeskonformen Proteste nach dem Tod von George Floyd führte zu heftigem Aktionismus und ließ einmal mehr erkennen, dass sich die USA im In- und Ausland immer stärker auf den aggressiven Einsatz von Gewalt als vorrangiges Mittel verlassen.

...

Trumps repressives Vorgehen legitimiere Diktatoren, vermerkt Jake Sullivan, Berater des demokratischen Präsidentenbewerbers Joe Biden. „Es ermöglicht ihnen zu glauben, sie seien rechtschaffen und müssten sich keine Beschwerden über Menschenrechte, Gleichheit und Demokratie anhören.“ Dies untergrabe die nationale Sicherheit der USA, so Sullivan. Eine Warnung, wie sie durch Richard Haass vom US Council on Foreign Relations aufgegriffen wird. „Die USA erscheinen der Welt gespalten, geschwächt und verstört“, schrieb er. „Schwer zu glauben, dass wir nicht an irgendeiner Stelle auf irgendeine Weise von irgendjemandem herausgefordert werden, der diese Umstände ausnutzen will.“ Mit anderen Worten: Wenn ein militarisiertes Amerika sein Feuer gegen sich selbst richtet, kommt dies äußeren Feinden zugute.

Quelle: Der Freitag/Simon Tisdall


Der Korpsgeist geht um

von Jakob Augstein

...

In Mecklenburg-Vorpommern wurde vor Kurzem die Gruppe „Nordkreuz“ ausgehoben – ein Verein von Rechtsextremisten, die Angriffe auf politische Gegner geplant haben sollen. 200 Leichensäcke und Ätzkalk waren schon bestellt – aber nicht nur das: Die meisten „Nordkreuz“-Mitglieder stammten aus dem Umfeld von Bundeswehr und Polizei. Darunter sollen auch Ehemalige und ein aktives Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (SEK) des Landes sein. Ihnen wird vorgeworfen, rund 10.000 Schuss Munition sowie eine Maschinenpistole aus Beständen des Landeskriminalamtes beiseitegeschafft zu haben. Auf den Rechnern der „Nordkreuzler“ fanden sich etwa 25.000 Namen und Adressen von Lokalpolitikern von SPD, Linken und CDU und anderen Personen, die als flüchtlingsfreundlich gelten.

...

Quelle: Der Freitag


Die tägliche Dosis Pestizid vom Discounter

Discounter geben sich nun wirklich alle Mühe, ihren Kunden die tägliche Dosis Pestizide zu verabreichen. Diese sollten das jedoch wissen und ihre Konsequenzen ziehen. Aber Geiz ist halt geil. Und er macht krank.

 

ALDI Nord (10.6.2020)
In einer Probe seien Rückstände des Pflanzenschutzmittels Oxamyl gefunden worden, teilte das Unternehmen mit. „Der Artikel sollte daher nicht mehr verzehrt werden“, heißt es weiter.

 

Die Eigenschaften, die Insektizide für Insekten tödlich machen, können sie mitunter auch für Menschen tödlich machen. Die meisten schweren Insektizidvergiftungen werden durch Organophosphat- und Carbamat-Verbindungen (Oxamyl) verursacht.


Orwells Dystopie bald Realität?

BIG BROTHER IS WATCHING YOU
George Orwells 1984 ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäre Verhältnisse geworden. Mit atemberaubender Unerbittlichkeit zeichnet der Autor das erschreckende Bild einer durch und durch totalitären Gesellschaft, die bis ins letzte Detail durchorganisierte Tyrannei einer absolute autoritären Staatsmacht. Seine düstere Vision hat einen beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem sich auch der Leser von heute nur schwer entziehen kann.

60 Jahre nach "1984"

Ilija Trojanow und Juli Zeh:                           Angriff auf die Freiheit (2009)

Alle sind scharf auf private Daten. Der Staat möchte die biologischen Merkmale der Bürger kennen. Die Wirtschaft sammelt Informationen über die Vorlieben ihrer Kunden. Arbeitgeber suchen mit illegalen Überwachungen nach schwarzen Schafen unter ihren Mitarbeitern. Die Warnungen vor Terror und Wirtschaftskriminalität lenken von einer Gefahr ab, die uns allen droht: der transparente Mensch. Bevor es so weit kommt, intervenieren Juli Zeh und Ilija Trojanow mit einer engagierten Kampfschrift. Wie viel sind uns unsere Bürgerrechte noch wert? Wer bedroht unsere Demokratie stärker: militante Islamisten oder die Befürworter einer totalen Überwachung? Wie können wir uns gegen den schleichenden Verlust unserer Freiheit wehren? Dieses Buch, zornig, ironisch, und hoch informativ zugleich, wird viele Menschen aufrütteln, die sich zu lange in falscher Sicherheit wiegten.


Corona-Infektionen: Streeck für "mehr Mut" im Sommer

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sieht der Virologe Hendrik Streeck eine Chance während der Sommermonate. Es könne möglicherweise eine Teilimmunität in der Bevölkerung aufgebaut werden, die dann den weiteren Verlauf der Pandemie abschwäche, sagte der Bonner Professor der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sollten uns über den Sommer ein bisschen mehr Mut erlauben", so Streeck. Derzeit zeigten Studien, dass bis zu 81 Prozent der Infektionen asymptomatisch verliefen. Das heißt, die Infizierten haben keine oder kaum Symptome. "Die Zahl der Covid-19-Erkrankten auf den Intensivstationen ist derzeit rückläufig", sagte Streeck. "Es besteht eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können." Die Hoffnung auf einen Impfstoff könne sich als trügerisch erweisen. Also solle man sich darauf einstellen, mit dem Virus zu leben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

 

Herr Spahn zieht es unbeachtet dessen weiter vor, seine "Patienten" zu mahnen:"...dicht gedrängte Menschenmengen mitten in der Pandemie besorgen mich."

 

Ja? Dann nimm was dagegen!

 

Bei Beratungsresistenz hilft wohl auch auch die beste Studie wenig...


Kreis Starnberg: Bisher 13 Tote durch SARS COVID-19

In Deutschland werden Corona bis zum heutigen Tag 8668 Tote dem Virus zugerechnet

(Stand: 7.6.2020).

Nur zur Erinnerung: 2017/18 wurden vom RKI etwa 25.000 Tote durch die Influenza registriert. "Aber wir hatten ja nun auch Lockdown und Maskenpflicht" werden jetzt die Prediger sagen. Wie stellen sich diese Leute denn die Zukunft vor?  In welcher Relation wird da gedacht?

 

Vielleicht erklärt das besser der Rechtsmediziner Püschel im nächsten Artikel...


Achtung, Killervirus!

Rechtsmediziner Püschel kritisiert Corona-Debatte

Im Gespräch mit der "Zeit" sagt Püschel: "Wir als Gesellschaft stellen diese Toten gerade derart in den Mittelpunkt, dass alle Angst bekommen. Alle denken: Killervirus! Sie lesen die nackten Zahlen, über 8000 Tote, und denken: Als Nächstes bin ich dran."

Besonders stört ihn, wie mit Senioren umgegangen wird. "Alte Menschen brauchen ihre Familie. Direkt an ihrem Bett, anwesend, gerade die Schwerkranken!" Gleichzeitig betont Püschel, dass in seinen Augen der Schutz der Alten nicht über den Belangen der anderen stünde. "Das muss man in die richtige Relation setzen.

Auch medizinisch ist es zweifelhaft, jeden retten zu wollen."

 

Der 68-Jährige, der im Oktober in den Ruhestand gehen wird, plädiert für einen selbstbestimmten Umgang mit dem Risiko. „Rational wäre, die Pandemie einfach einzuordnen unter die vielen Gefahren und Krankheiten, die es auf der Welt und im Leben gibt. Ich sehe bei mir im Institut immer wieder Menschen liegen, die für sich ganz bewusst große Risiken akzeptiert haben. Als Raucher, beim Essen, beim Sex. Sollen sie doch, solange sie damit niemand anderen gefährden. Leben wir unser Leben, solange wir es haben.“


Mal was positives...

Kreis Starnberg:  3 Infizierte in den letzten 7 Tagen

Für alle, die ein gespaltenes Verhältnis zu Mathematik haben: Die Anzahl der Infizierten errechnet sich daraus, dass der Kreis Starnberg etwa 136.000 Einwohner hat und bei Personen Nachkommastellen ungleich Null schwer vermittelbar sind. Fragen Sie mal den fünften Teil eines Infizierten...

Das Vereinte Panikorchester sollte also fürs erste einen Schlussakkord unter ihre Kakophonie setzen. Andernfalls hilft sicher auch ein niedergelassener Arzt, die Wahnvorstellungen zu heilen.


Im Dschungel des allgemeinen Braindown's findet man doch hin und wieder einen Beitrag, der sich rational, will sagen ohne Aluhut oder Gesundheitsdiktaturanleihen mit dem derzeit vorherrschenden Thema beschäftigt. Niemand hat jedenfalls den Verfassern des im SPIEGEL erschienenen Beitrags bisher etwas derartiges angelastet. Der vermeintlich mündige Bürger hatte jedoch bereits beizeiten seine Götter gefunden. Bei Pressekonferenzen mit Fallzahlen betet er täglich zu ihnen und beschäftigt sich für den Rest des Tages mit seinem Rosenkranz, ohne sich Gedanken über die Sinnhaftigkeit der Mantras aus den Hofberichterstatterzentren und Gerüchteküchen zu machen. Eine andere Art von Extremismus. Aber das kennt man ja bereits aus der Geschichte...

 

In diesen wirren Zeiten wirkt der folgende Appell fast schon wie ein Rufer in der Wüste:

Der Maßstab heißt Grippe

Appell Um der Pandemie zu begegnen, müssen wir unseren Umgang mit Risiken neu definieren. 
Von Alexander Kekulé, Julian Nida-Rümelin, Boris Palmer, Christoph Schmidt, Thomas Straubhaar, Juli Zeh

Bis jetzt ist der Kelch an uns vor­über­ge­gan­gen. Die schreck­li­chen Bil­der aus den über­for­der­ten Kran­ken­häu­sern Ita­li­ens ha­ben sich hier­zu­lan­de nicht wie­der­holt. Deutsch­land war gut vor­be­rei­tet und hat recht­zei­tig die Kon­tak­te be­schränkt. Die Be­völ­ke­rung hat sich ver­nünf­tig ver­hal­ten, und so sind heu­te in der Bun­des­re­pu­blik vie­le In­ten­siv­bet­ten frei.

Da­bei geht es nicht um die Fra­ge »Geld, Grund­ge­setz oder Le­ben« – viel­mehr be­din­gen sich die­se Zie­le ge­gen­sei­tig. Nur wenn die Wirt­schaft funk­tio­niert, kön­nen wir die Bür­ger mit grund­le­gen­den Gü­tern ver­sor­gen, die Schwä­che­ren in der Ge­sell­schaft un­ter­stüt­zen und ein leis­tungs­fä­hi­ges Ge­sund­heits­sys­tem auf­recht­er­hal­ten. Sze­na­ri­en des Münch­ner Ifo-In­sti­tuts wei­sen dar­auf hin, dass jede wei­te­re Wo­che des Lock­downs volks­wirt­schaft­li­che Schä­den von bis zu 50 Mil­li­ar­den Euro ver­ur­sa­chen könn­te. Es droht eine Re­zes­si­on, für de­ren Aus­maß es in der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te kein Bei­spiel gibt. Das wird nicht nur bei Wohl­stand und Be­schäf­ti­gung tie­fe Spu­ren hin­ter­las­sen, son­dern auch die all­ge­mei­ne Le­bens­qua­li­tät und den Ge­sund­heits­zu­stand der Be­völ­ke­rung be­ein­träch­ti­gen.

Wir müs­sen da­her aus dem Lock­down so rasch wie mög­lich in eine Pha­se über­ge­hen, die un­se­re Volks­wirt­schaft aus dem Win­ter­schlaf auf­weckt, Ein­grif­fe in un­se­re Grund­rech­te mi­ni­miert und uns den­noch hin­rei­chend vor ei­nem Wie­der­auf­flam­men der Ge­sund­heits­kri­se schützt. Die jetzt ein­ge­lei­te­ten Lo­cke­rungs­maß­nah­men kön­nen die­sen An­spruch nicht er­fül­len. Sie wür­den die Re­pu­blik noch vie­le Mo­na­te, viel­leicht so­gar Jah­re un­ter das Joch der täg­lich wech­seln­den Fall­zah­len stel­len. Wenn sich sol­che un­vor­her­seh­ba­ren Ein­grif­fe in In­ter­val­len wie­der­ho­len, wirkt das zer­stö­re­risch, auf die Wirt­schaft ge­nau­so wie auf die Psy­cho­lo­gie der Be­völ­ke­rung.

...Den rich­ti­gen Weg könn­te uns der Um­gang mit ei­ner an­de­ren Krank­heit wei­sen, die uns seit Be­ginn der Zi­vi­li­sa­ti­on be­glei­tet und für de­ren Ri­si­ken wir ei­nen ge­sell­schaft­lich ak­zep­tier­ten Um­gang ge­fun­den ha­ben: die Grip­pe.

Nach An­ga­ben des Ro­bert Koch-In­sti­tuts ster­ben im Zu­sam­men­hang mit In­flu­en­za-In­fek­tio­nen al­lein in Deutsch­land bis zu 25 000 Men­schen jähr­lich, un­ter ih­nen sind auch jun­ge Pa­ti­en­ten und Kin­der. Die­ses Ri­si­ko neh­men wir als Ge­sell­schaft hin, ohne über Lock­downs oder auch nur eine Impf­pflicht nach­zu­den­ken – es ist der un­aus­ge­spro­che­ne Preis der Frei­heit und des wirt­schaft­li­chen Wohl­stands.

Mit die­sem be­kann­ten und ak­zep­tier­ten Ri­si­ko als Maß­stab kön­nen wir eine Stra­te­gie für den Um­gang mit dem neu­en Co­ro­na­vi­rus ent­wer­fen. Hier­bei hilft uns die Tat­sa­che, dass Co­vid-19 für die Be­völ­ke­rung nicht ge­fähr­li­cher ist als die Grip­pe, wenn man be­stimm­te Ri­si­ko­grup­pen und Men­schen über 65 Jah­ren ge­zielt vor In­fek­tio­nen schützt. Denn die Wahr­schein­lich­keit, an Co­vid-19 zu ster­ben, dürf­te für jün­ge­re Al­ters­grup­pen ohne chro­ni­sche Vor­er­kran­kun­gen kaum grö­ßer sein als bei ei­ner schwe­ren Grip­pe. Sie liegt also um den Fak­tor 50 nied­ri­ger als bei Hoch­alt­ri­gen.

...

Vor die­sem Hin­ter­grund muss klar­ge­stellt wer­den: Es geht nicht um dis­kri­mi­nie­ren­de Zwangs­maß­nah­men für äl­te­re oder vor­er­krank­te Men­schen. Ein Vor­ge­hen, das un­ter­schied­li­che Ri­si­ken be­rück­sich­tigt, zielt nicht auf eine Be­nach­tei­li­gung be­stimm­ter Be­völ­ke­rungs­grup­pen, son­dern auf ih­ren be­son­de­ren Schutz. Au­ßer­dem geht es dar­um, die All­ge­mein­heit zu ent­las­ten, was so­wohl ver­fas­sungs­recht­lich wie öko­no­misch ge­bo­ten ist.

...

Dass man­che Men­schen stär­ker durch das Co­ro­na­vi­rus ge­fähr­det wer­den als an­de­re, ist kei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung, son­dern eine bio­lo­gi­sche Tat­sa­che. Pan­de­mie­plä­ne se­hen fol­ge­rich­tig vor, dass der Schutz auf die be­son­ders be­droh­ten Grup­pen zu kon­zen­trie­ren ist, wenn sich die Aus­brei­tung des Vi­rus nicht mehr kom­plett un­ter­drü­cken lässt. Gleich­be­hand­lung nach dem Grund­ge­setz kann auch be­deu­ten, Un­glei­ches un­gleich zu be­han­deln, also sach­li­che Un­ter­schie­de zu be­rück­sich­ti­gen.

...

Mo­men­tan wer­den die Grund­rech­te für die ge­sam­te Be­völ­ke­rung in man­chen Be­rei­chen fast auf null ge­setzt. Wenn wir auf jeg­li­che Dif­fe­ren­zie­rung ver­zich­ten, da­mit sich nie­mand dis­kri­mi­niert fühlt, fal­len die Ein­schrän­kun­gen für alle viel grö­ßer aus. Wir müss­ten den Lock­down auf­recht­er­hal­ten, bis ein Impf­stoff be­reit­steht. Dies wird frü­hes­tens in ei­nem Jahr, viel­leicht deut­lich spä­ter oder auch nie der Fall sein – bis­her gibt es ge­gen kei­nes der zahl­rei­chen be­kann­ten Co­ro­na­vi­ren ei­nen Impf­stoff.

Un­ser Ziel muss es sein, schnel­ler als das Vi­rus zu wer­den. Ein paar zu­sätz­li­che Mit­ar­bei­ter bei den Ge­sund­heits­äm­tern ge­nü­gen da­für nicht.

 

Quelle: Der Spiegel (Ausgabe 18/2020)

Im Zusammenhang mit Herdentrieb fällt mir doch gleich wieder ein passendes Stück von STOPPOK ein:


Nein zur Rückkehr ins „Normale“

Postwachstum In offenen Briefen fordern Wissenschaftlerinnen, Künstler und Schauspieler eine Orientierung der Wirtschaft an Nachhaltigkeit. Dafür müsste Politik anfangen, zu gestalten

Es liegt auf der Hand: Wenn die Wirtschaft einmal heruntergefahren ist, wenn es schon diesen Bruch gibt – dann liegt darin auch die Chance, sie anders wieder hochzufahren. Die Debatte darüber, wie dies geschehen soll, ist eröffnet. Im just veröffentlichten globalen Manifest De-growth: Neue Wurzeln für die Wirtschaft fordern mehr als 1000 Wissenschaftlerinnen, Experten, Künstlerinnen und Aktivisten eine radikale Umgestaltung jenseits des Wachstumsparadigmas. In einem offenen Brief in Le Monde plädieren mehr als 200 Prominente und Wissenschaftler, darunter Juliette Binoche, Robert De Niro, Joaquin Phoenix, Penelope Cruz und Madonna, dafür, bitte nicht mehr nach „Normal“ zurückzukehren, sondern stattdessen unsere Konsumgesellschaft und -ökonomie „grundlegend zu verändern“. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt, dass 65 Prozent internationaler Bürgerinnen (57 Prozent der Deutschen) dazu bereit wären, die Konjunkturerholung dem Klimaschutz unterzuordnen. Gesellschaftlich und kulturell ist die Zeit für den nachhaltigen Wirtschaftswandel längst reif. Leider aber hinkt die aktuell etablierte Wirtschaftspolitik diesem Zeitgeist weit hinterher.

 

...das BIP sagt nichts über die Qualität oder gerechte Verteilung unserer Wirtschaftsleistung aus. Es registriert nicht, ob unser Wohlstand aus Nahrungsmitteln, Gesundheitswesen und Bildung besteht, oder aus Zigaretten, Autos und Plastik-Kitsch. Es ist ihm gleich, wer wie viel vom kollektiven Wohlstandskuchen abbekommt. Hauptsache, der Kuchen ist groß.

 

(Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/nein-zur-rueckkehr-ins-normale)


Was läuft hier schief?

In Corpus Delicti führt ein Prozess in das Jahr 2043 und die Welt eines Imperativs: „Gesundheit ist das Ziel des natürlichen Lebenswillens und deshalb natürliches Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik. Ein Mensch, der nicht nach Gesundheit strebt, wird nicht krank, sondern ist es schon.“

...Maskenpflicht und Desinfektion gehören inzwischen ebenso zu unserem Alltag wie die Beschwörungsformeln fortwährender Achtsamkeit: „Wenn wir aufhören, gemeinsam an Sicherheit und Sauberkeit zu arbeiten, gibt es binnen weniger Wochen eine Epidemie“, erklärt der Methoden-Vertreter Heinrich Kramer im Roman. Formuliert es die Bundeskanzlerin nicht ähnlich, wenn sie vor einer „Zweiten Welle“ warnt und betont, wir dürften uns „keine Sekunde in Sicherheit wiegen“?

 

„Den Ausbruch einer Pandemie habe ich nicht vorhergesehen“, sagte Juli Zeh dem Freitag. „Aber was ich seit Jahrzehnten beobachte und in Corpus Delicti verarbeitet habe, ist ein erst schleichender, dann rasanter Wertewandel innerhalb unserer Gesellschaften, und zwar von ‚Freiheit‘ als höchstem Wert hin zu ‚Sicherheit‘, wobei ‚Sicherheit‘ ein Synonym ist für den Wunsch nach der Kontrollierbarkeit der Zukunft.“

 

(Quelle: https://digital.freitag.de/2020/was-laeuft-hier-schief/)


Ein Virus lässt hoffen

Ölmultis verlieren Milliarden

 

"Seit dem Ausbruch der weltweiten Coronakrise sieht sich die Ölindustrie einem noch nie dagewesenen Problem gegenüber: Die Nachfrage nach der wichtigsten Energiequelle der Welt bricht von heute auf morgen ein...

Schon in den ersten drei Monaten des Jahres bricht der Umsatz der fünf Branchenriesen Exxon Mobil, Shell, Chevron, BP und Total im Vergleich zum Vorjahr um satte 50 Milliarden US-Dollar ein. Damit schmelzen auch die Gewinne. Zusammen verdient Big Oil im ersten Quartal so gerade mal etwas über eine Milliarde Dollar.

...Schon Anfang April mussten viele Fracking-Unternehmen in den USA ihre Produktion stilllegen, weil es schlicht nicht genug Lagerkapazitäten für das geförderte Rohöl gab, oder weil die oft hoch verschuldeten Bohrfirmen es sich nicht mehr leisten konnten bei den teilweise negativen Preisen weiter zu produzieren." (Handelsblatt)

 

Mein Kommentar:

Schön, dass dieses Virus für das voraussichtliche Ende des umweltfeindlichen Frackings sorgt. Insgesamt hat sich die Branche ja immer einen Teufel um Umweltschutz geschert. Wer die Umweltsünden der Konzerne kennenlernen will, kann sich darüber gern beim WWF informieren:

 

https://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Hintergrundinformation-Profit-um-jeden-Preis-OElfoerderung-in-Naturregionen.pdf

Außerdem sind Plastikmüll in den Verdauungsorgane von Fischen und für Mensch und Natur schädliche Abgase aus Verbrennungsrückständen nur zwei der Produkte, welche für diese Industrie stehen. Da ist es jetzt mehr als gerecht, wenn wir dieser perversen Meschpoke genüsslich beim Sterben zusehen dürfen. Die Natur wird es ebenso empfinden.

Bis zu 11 Milliarden Euro weniger Umsätze für Hotels und Reisebüros

Die wirtschaftliche Lage der Reisewirtschaft in der Corona-Krise hat sich dem Branchenverband DRV zufolge weiter verschärft. Der Verband rechnet inzwischen mit Umsatzeinbußen von mindestens 10,8 Milliarden Euro bis Mitte Juni. „Das Geschäft der Reisebüros und Reiseveranstalter ist durch staatliche Anordnung fast vollständig zum Erliegen gekommen“, sagte Verbandspräsident Norbert Fiebig am Montag in Berlin. (FAZ)

 

Mein Kommentar:

Ballermann & Co können nach Hause geh'n. Eine weitere Branche, die es in dieser Form nicht wirklich braucht. Wer im Sommer Millionen von Touristen in Hotelkomplexen von der Größe einer Kleinstadt unterbringt, ihnen dabei häufig  eine Beschallung durch lärmende Baustellen auf der Nachbarschaft oder gar in der eigenen Anlage zumutet und so die schönste Zeit des Jahres zum Albtraum werden lässt, wer Strände zubaut, um Maximalprofit zu erzielen oder sich zumindest an der Zulieferung des Klientels beteiligt hat für meine Begriffe kein Anrecht auf weitere Existenz. Umweltbewusste Individualtorismus-Anbieter sollten sich zukünftig besser etablieren können. Dafür müssten mindestens 90 Prozent der dann herumstehenden Hotelruinen abgerissen und die Landschaft renaturiert werden. Das wären dann mal wirklich schöne Aussichten...


Wonach der "Faktenfinder" nicht suchte...

Auf der Website von tagesschau.de (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-uebersterblichkeit-103.html?utm_source=pocket-newtab)
hat mich am heutigen Morgen eine Schlagzeile aufmerksam gemacht, die mit den Lettern daherkam "100.000 Tote mehr innerhalb von vier Wochen".
Wow, das haut rein! Da scheinen jetzt mal Fakten vom bekanntesten Nachrichtenmagazin Deutschlands auf dem Tisch zu liegen.
Patrick Gensing listet auf, dass in Europa etwa 100000 Menschen mehr gestorben seien als im selben Zeitraum sonst üblich ist.

"Die Angaben zeigen, dass bereits in den ersten 16 Wochen 2020 die Zahl der erfassten übermäßigen Todesfälle die Gesamtwerte der Vorjahre übersteigt.
Und dass, obwohl es 2017/18 eine schwere Grippewelle gegeben hatte und die jüngsten Angaben für 2020 durch Nachmeldungen noch weiter steigen könnten...
Die Übersterblichkeit fällt von Land zu Land sehr unterschiedlich aus. Während in einigen Staaten bislang gar keine Übersterblichkeit zu erkennen ist,
sind Länder wie Belgien, Frankreich, Italien oder Spanien stark betroffen."

 

In einigen Staaten gibt es also bisher keine Übersterblichkeit? Interessant!
Anschließend werden die Länder aufgeführt, deren Corona-Tote dem Leser die Angstschweissperlen auf die Stirn treiben.

Was Herr Gensing auch bis zum Ende seines Artikels nicht verrät ist, welche Mortalitätsrate Deutschland im Jahr 2020 bisher aufweist.
Sind die Maßnahmen in Deutschland efolgreich?  Diese Information ist vielleicht nicht ganz unwichtig für über 80 Mio deutsche Staatsbürger. Also mache ich mich selbst auf die Suche auf der von ihm benutzten Website und werde beim Filtern der Daten auch fündig.

 

Unter https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps#z-scores-by-country  kann sich jede(r) selbst ein Bild machen.

Meine ganze Angst (wenn es denn je eine gegeben hätte) ist plötzlich verflogen:

Deutschland hat nicht einmal am Maximum der letzten Jahre gekratzt! Kein Peak!

Wer den Play-Button auf 2017/2 anhält bzw bewegt, wird eine ähnliche Situation vorfinden.

 

Die folgende Grafik zeigt die "normale" Influenza-Mortalität vom Januar 2017, nicht Covid19!

Spanien, Frankreich und Italien sind seinerzeit unter "Extremly high excess" aufgeführt. Deutschland erscheint wiederum als weißer Fleck auf der Landkarte. Zufall? Eher nicht.

Schon damals zeichnete sich ab, was auch heute Realität ist. Wäre interessant zu erfahren, wie hoch die Auslastung der Intensivpflege-Betten war. Herr Gensing hat scheinbar diese wichtigen Fakten übersehen. Halbe Wahrheit auf Kosten derer, die eh  psychisch angeschossen sind. Und das, obwohl er der "Faktenfinder" der ARD ist.

 

Mein Fazit: Jeder sollte selbst nach zuverlässigen Fakten suchen, die seine Hypothese bestätigen können und alle Seiten beleuchten. Patrick Gensing ist dieser Versuch allerdings gänzlich misslungen.


Jakob Augstein: Bizarre Blüten

...Politik bedeutet die Abwägung vieler Interessen und nicht die Unterordnung aller Interessen unter ein einziges Prinzip – dazu taugt nicht einmal der Schutz des menschlichen Lebens. Es ist, so paradox das auf den ersten Blick auch erscheinen mag, nur ein Gut unter anderen. Darum leisten weder Staat noch Gesellschaft jederzeit alles dafür, absolute Sicherheit für jedes einzelne menschliche Leben zu gewährleisten. Aber in der Corona-Krise soll das plötzlich gelten.

Aus irgendeinem Grund haben sich Staat und Gesellschaft auf diesen „Pandemie-Absolutismus“ festgelegt, und man gewinnt den Eindruck, je höher der Einsatz wird – an menschlichem Leid und wirtschaftlichen Kosten –, desto weniger können wir von dieser Entscheidung abrücken.

 

Dabei lässt sich ein verantwortungsvoller Weg aus dieser Krise ja vorstellen: Die Kindergärten müssen geöffnet werden und die Schulen in den unteren Klassen. Im Alltag muss Rücksicht auf die gefährdeten Gruppen genommen werden, das sind die sehr Alten und die Menschen mit zwei Vorerkrankungen; auf Großveranstaltungen werden wir lange verzichten müssen, aber Restaurants, Theater und Kinos müssen öffnen. Vor allem: Einen zweiten Lockdown darf es nicht geben.

...

Ist niemandem aufgefallen, wie sonderbar es ist, dass sich beim Streit um die „Lockerungen“ – ein Begriff, den man vor allem aus dem Strafvollzug kennt – diejenigen rechtfertigen mussten, die für eine Rückkehr zu den bürgerlichen Freiheiten eintraten, und nicht diejenigen, die weiterhin Freiheiten beschneiden wollten?

 

Stattdessen haben wir eine Umkehr der Beweislast, die bizarre Blüten treibt. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb über das Ergebnis einer Studie zur Wirkung von Schulschließungen: „Kurz gesagt: Wir wissen nicht, wieviel Schulschließungen bringen. Schulöffnung muss daher sehr gut epidemiologisch vorbereitet sein.“

 

Wir kennen also nicht den epidemiologischen Nutzen einer einschneidenden Maßnahme, wir kennen hingegen sehr gut ihre verheerenden sozialen und psychologischen Folgen – und dennoch soll die Aufhebung dieser Maßnahme in die Hände der Epidemiologen gelegt werden? Willkommen in der Corona-Welt.

...

Susan Sontag hat vor vielen Jahren geschrieben: „Es ist kein wünschenswertes Ziel, dass die Medizin ‚total‘ sei, ebenso wenig wie der Krieg.“ Wir aber sind auf dem Weg in das Zeitalter der totalen Medizin. In diesem unbekannten Land, dem wir uns nähern, könnten die seelischen, die sozialen und die wirtschaftlichen Verwüstungen auf Dauer tatsächlich mit denen des Krieges mithalten.

(Quelle: Der Freitag)


Professor Klaus Püschel

Chef der Hamburger Rechtsmedizin

 

„Dieses Virus beeinflusst in einer völlig überzogenen Weise unser Leben. Das steht in keinem Verhältnis zu der Gefahr, die vom Virus ausgeht. Und der astronomische wirtschaftliche Schaden, der jetzt entsteht, ist der Gefahr, die von dem Virus ausgeht, nicht angemessen. Ich bin überzeugt, dass sich die Corona-Sterblichkeit nicht mal als Peak in der Jahressterblichkeit bemerkbar machen wird ...“

 

Markus Lanz

Interview mit Professor Püschel und dem Virologen Streeck, welcher in Heinsberg eine umfangreiche Studie durchführt:      hier ansehen

 


Wenn alles gut läuft, werden wir Airbnb los

Mieten Die Corona-Krise stellt das Geschäftsmodell des Plattform-Riesen radikal in Frage. Allein in Dublin kamen zuletzt 64 Prozent mehr Mietwohnungen auf den Markt

Ja, die aktuelle Situation gibt wenig Anlass zur Freude. Einen habe ich allerdings doch gefunden: Wenn alles gut läuft, werden wir Airbnb los. Meine mitunter schwarze Seele labt sich schon seit Wochen an weinenden Vermieter*innen im Netz, die ihr asoziales Geschäftsmodell in Zeiten von Corona nicht mehr weiterbetreiben können und den Konzern verantwortlich machen. Der weiß auch nicht weiter...

...

Vor ungefähr vier Wochen haben die letzten Reisenden die Airbnb-Wohnungen verlassen. Im Voraus gebuchte Zimmer wurden storniert. Seitdem passiert das, was Airbnb und seine Lobbyisten immer geleugnet hatten: Die Wohnungen tauchen wieder auf dem Wohnungsmarkt auf, bei Mietportalen etwa. Wie viele Wohnungen Airbnb dem Wohnungsmarkt entzogen hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Dass es viele waren, lässt das Beispiel Dublin erahnen: Einer Visualisierung von Mitte März nach standen dem Mietmarkt in der irischen Hauptstadt schon da 64 Prozent mehr Wohnungen zur Verfügung als vor dem Einbruch...

...

Wenn wir Glück haben, erleben wir das Ende von Airbnb und damit eines Geschäftsmodells, das die Mieten in den Städten noch mehr in die Höhe getrieben, zu krasser Wohnungsnot und Wohnungsknappheit beigetragen und viele Innenstädte mittels Fast-Food-Tourismus zu Erlebnisparks gemacht hat.

 

Quelle: Der Freitag  (vollständig lesen)


Das Leiden der anderen

Corona-Impfstoff Große Arzneimittelhersteller bevorzugen die Auslagerung klinischer Studien in arme Länder mit laschen Vorschriften, um Kosten zu senken und Gewinne zu maximieren

Letzte Woche wurde in Oxford im Rahmen der ersten am Menschen durchgeführten europäischen Studie den ersten Probanden ein potenzieller Coronavirus-Impfstoff gespritzt. Zur gleichen Zeit erhielt das pakistanische National Institute of Health ein Angebot des chinesischen Pharmaunternehmens Sinopharm International Corp. zur Teilnahme an einer Versuchsreihe mit einem weiteren potenziellen Coronavirus-Impfstoff...

...

Die Gründe für die Durchführung von Tests im Ausland sind nicht schwer auszumachen. In Ländern mit niedrigerem Einkommen sind die Bestimmungen lockerer, das Personal billiger und die Probanden leichter zu finden, wodurch die Kosten um 30-40 % gesenkt werden.

 

Quelle: Der Freitag (vollständig lesen)


Überflüssig wie die Pest

Influencer leben glamourös, tragen schicke Klamotten, fahren schnelle Autos, jetten um die Welt. Jetzt allerdings sind Modeshows, Messen und Promi-Treffen mit Fans abgesagt. Fliegen ist auch nicht. Manche Influencer geraten in finanzielle Probleme, andere machen weiter wie bisher.


Ich berühre, also bin ich

„Die Machtverhältnisse durchziehen das Körperinnere.“ Ein komischer Satz. Durchziehen. Dieses Wort hat der französische Philosoph Michel Foucault gewählt, um zu beschreiben, wie der Mensch mit all den anderen Menschen als Bevölkerungskörper organisiert wird. Er sagte nicht: Macht unterdrückt den Körper. Nicht: Macht formt den Körper. Nein. Sie durchzieht.

Foucault untersuchte die Biopolitik: Wie bestimmen die Machtverhältnisse das Leben und Sterben? Wie das soziale Miteinander der Körper? In einer Zeit, in der der Staat das Leben und Sterben einer Bevölkerung mehr denn je reguliert und dabei sogar Zugriff auf die Entscheidung hat, von wem wir uns umarmen lassen, scheint es geraten, auf Foucault zu hören: Um zu verstehen, wie aktuelle Machttechniken funktionieren, muss man darauf schauen, welche Körper sie gerade produzieren.

Derzeit scheinen unsere Körper wenig von irgendetwas durchzogen. Da sitzen wir Kopfarbeiterinnen, einzelne Körper in jeweils vier Wänden, miteinander verbunden über die schöne glatte Glasoberfläche unserer Smartphones, über Tasten und Bildschirme. Kommunikation in Zeiten von Corona: ein körperloses Netzwerk aus Gedanken. Und dennoch stellt sich dieses Gefühl der Einsamkeit ein, kein Videotelefonat kann es lindern. Lässt sich ein Körper etwa nicht digitalisieren? Braucht er Berührung?...

 

(weiterlesen mit Freitag-Abo)


Komischer Vogel

Historie Unser Atemschutz erinnert an die Pestmasken der Vergangenheit: Zeit für eine kleine Kulturgeschichte der Vermummung  (Quelle: Der Freitag)

Unter den zahlreichen Cartoons, die inzwischen den Schrecken der täglich jüngsten Statistiken und Sterbeziffern mildern sollen, habe ich auch folgende Zeichnung gefunden: Sie zeigt Menschen auf der Straße mit den obligaten Schutzmasken; nur ein Junge fragt seine Mutter: „Ist schon wieder Fastnacht?“ Und im Focus spricht Walter Mayer von einem „Vermummungsgebot“, dessen Geltung das ältere Vermummungsverbot, das aus den 1980er Jahren stammt, aufzuheben scheint; dabei leben wir doch seit Jahrzehnten in einer Gesellschaft der Gesichter, der facialen Repräsentationen, nicht nur in der Werbung, sondern auch auf medialen Plattformen wie Facebook oder Instagram. Während noch vor wenigen Monaten über Verbote der Verschleierung – in Schulen, Behörden oder Fußballstadien – diskutiert wurde, müssen wir jetzt sogar Schals um die untere Gesichtshälfte schlingen, falls wir gerade keine Schutzmasken haben oder anfertigen können. (weiterlesen)

 


Das Silicon Valley der Viren

Massentierhaltung

Pandemien wie die jetzige sind Folge unseres Umgangs mit Tier- und Umwelt. Wenn wir daran nichts ändern, wird die nächste Katastrophe nicht lange auf sich warten lassen

 

Krankheitserreger respektieren auch die Grenzen zwischen verschiedenen Arten nicht. Grippe- und Corona-Viren bewegen sich fließend zwischen Menschen- und Tierpopulationen, gerade so wie sie sich fließend zwischen Nationen bewegen. Bei Pandemien gibt es keine voneinander getrennte Tier- und Menschengesundheit – genauso wenig wie es eine koreanische und eine französische Gesundheit gibt. Social Distancing funktioniert nur, wenn es von allen praktiziert wird – Tiere mit eingeschlossen.

 

Quelle: Der Freitag   (weiterlesen)

Mein Kommentar:

Insofern sollte spätestens hier jeder halbwegs intelligente Homo Sapiens seine Gehirnzellen in Bewegung setzen und sein Kaufverhalten ändern. Wie?

Dort kaufen, wo Fleisch aus Massentierhaltung nicht verkauft wird. Wer möchte ein Tier essen, dessen Leben die Hölle war? Ebenso gibt es durchaus Obst und Gemüse zu kaufen, welches biologisch angebaut wird und dem nicht lebensfeindliche Chemikalien auf die Oberfläche gespritzt wurden.

 

Bei entsprechenden Studien sind teilweise über 20 verschiedene Pestizide auf Blattsalat

& Co festgestellt worden!!! Glaubt wirklich noch irgend jemand ernsthaft, dass diese hochtoxischen Substanzen für die Produktion und den Verzehr unabdingbar sind? Oder gar gesund für diejenigen, welche es dann verzehren? Warum sonst haben Biobauern zunehmend mehr Kundschaft? Weil es einfach besser ist, sich natürlich zu ernähren! Noch Fragen?

 

Jeder hat selbst Einfluss auf seine Gesundheit! Geht eurem Discounter auf den Zahn und fragt ihn, welche Pestizide sein angebotenes Gemüse ertragen musste. Wenn das alle machen, sollte auch er merken, dass hier etwas schief läuft und wird sein Sortiment über kurz oder lang umstellen. Umstellen müssen.

 

Wem es egal ist, ob er/sie vom Geiz oder einer "Zivilisationskrankheit" dahingerafft wird, kann natürlich gern weiter beim Pestizid-Dealer einkaufen...


Ein Schal ist ausreichend

Welcher Scharlatan berät Bayerns Ministerpräsident Söder?

In Bayern gilt ab der kommenden Woche in allen Geschäften und im öffentlichen Personennahverkehr eine Maskenpflicht. Bayern sei damit das erste Bundesland in Westdeutschland, das diese Pflicht gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus einführe, sagte Ministerpräsident Markus Söder in einer Regierungserklärung. Es gehe darum, dass Mund und Nase bedeckt seien - "auch ein Schal ist ausreichend".

Söder sagte, sein Zwischenfazit der Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus sei "verhalten positiv". Dennoch dürfe es keine Ungeduld geben - "die Entwicklung ist zerbrechlich". Es werde "nicht so schnell ein normales Leben geben".

 

Dazu aus einem Artikel des "Spiegel":

 

Wie durchlässig sind professionelle Masken?

Die sogenannten FFP-Masken (FFP steht für "filtering face piece") gelten ab einer größeren Filterstärke 2 und 3 als sehr sicher. Das sind Masken, die normalerweise bei der Feuerwehr oder in Müllverbrennungsanlagen getragen werden. Die Filter der Maske sind so feinmaschig, dass sie Virentröpfchen aber auch Feinstaub fast vollständig abhalten. Sogenannte OP-Masken werden hingegen nur als teilweise sicher eingestuft. Sie sind vor allem für Infizierte oder erkältete Menschen sinnvoll, weil sie verhindern, dass Speichel- oder Schleimtröpfchen beim Niesen oder Husten in die Luft gelangen.

 

 

------------------------------------------------

Wie oft habt ihr eure Schals bereits gewaschen?

 

Wie lautete die Aussage von Herrn Söder doch:

"EIN SCHAL IST AUSREICHEND"???


Wir sind als Gesellschaft, aber auch als Individuen fragiler, offener und verletzlicher. Unsere Sinne sind geschärft, wir beobachten genauer, wir hören intensiver, wir fühlen stärker, sind „angegriffen“ von den Dingen und fühlen uns, vielleicht auch weil wir Abstand halten müssen und sogar Angst vor ihnen haben, auf ganz ursächliche, zärtliche Art hingezogen zu den Mitmenschen. Wir schauen uns selbst genauer als vielleicht je beim Sein zu. „Diese Sinneswelten und Tänze sind Experimente zur Erprobung eines neuen Kollektivs“, glaubt Joseph Vogl. Wie lässt sich neu über Sinnlichkeit und Solidarität nachdenken? Wir möchten eine neue Sensibilität entwickeln. Wie die genau aussieht? Keiner weiß es.

Quelle: Der Freitag/Timo Feldhaus


Kritik vom Experten

Intensivtherapie ist leidvoll

Quelle: Deutschlandfunk
Quelle: Deutschlandfunk

Es gibt Fachleute, die diese Ausrichtung auf die Intensivbehandlung von Corona-Patienten kritisch sehen, und die vor ethischen Problemen warnen. Einer von ihnen ist Matthias Thöns, er ist Facharzt für Notfall- und Palliativmedizin in Witten in Nordrhein-Westfalen. Er hält die Ausrichtung der Politik auf die Intensivbehandlung von COVID-19-Erkrankten für einseitig.

Peter Sawicki: Herr Thöns, Sie sagen, dass eine ethische Katastrophe in Sicht ist. Was genau meinen Sie damit?

Matthias Thöns: Na ja, die Politik hat jetzt eine sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung, auf das Kaufen neuer Beatmungsgeräte, auf Ausloben von Intensivbetten. Und wir müssen ja bedenken, dass es sich bei den schwer erkrankten COVID-19-Betroffenen, so nennt man ja die Erkrankung, meistens um hochaltrige, vielfach erkrankte Menschen handelt, 40 Prozent von denen kommen schwerstpflegebedürftig aus Pflegeheimen, und in Italien sind von 2.003 Todesfällen nur drei Patienten ohne schwere Vorerkrankungen gewesen. Also es ist eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin, und jetzt wird so eine neue Erkrankung diagnostiziert und da macht man aus diesen ganzen Patienten Intensivpatienten.


Quelle: Watson
Quelle: Watson

Einer, der verstorbene Covid-19-Infizierte untersucht, ist Johannes Friemann, Leiter der Pathologie am Klinikum Lüdenscheid. Im Interview mit der "Welt" hat er seine Erkenntnisse aus Obduktionen von Kollegen und von eigenen Untersuchungen erklärt.

Aus den Organen der sezierten Toten lese ein Pathologe "wie in einem Buch". Über die Todesursache bei Corona-Patienten sagt Friemann: "Neben einem meist im Vordergrund stehenden Lungenversagen sehen wir auch Vorerkrankungen, die für sich genommen bereits allein geeignet sind, einen Menschen zu töten."

Bereits seit Anfang der Pandemie ist bekannt, dass ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen ein höheres Risiko haben, an Covid-19 zu sterben.

 

Durch Corona werde ein "aus anderen Gründen bereits drohender Tod vorverlegt", sagt Friemann.

 

Auch Friemanns Kollege Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Zeitung" kürzlich gesagt: "Es gibt nicht 'den' Corona-Toten, wie es die Statistik suggeriert."

"Sehr viele Todesursachen" im Zusammenhang mit Corona

Es sei klar festzustellen, dass die Vorkrankheiten eine sehr wesentliche Rolle für den Verlauf der Krankheit spielten, so der Rechtsmediziner.

In Hamburg seien die Verstorbenen bislang ausnahmslos multimorbide gewesen: Sie litten also an mehreren Krankheiten gleichzeitig, häufig an schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge oder des Herzens, zum Teil auch an Krebs. Außerdem sind die Toten schon älter. Das deckt sich mit den Angaben des Robert-Koch-Instituts: Im Schnitt waren die Verstorbenen in Deutschland bislang 80 Jahre alt. Ganze 86 Prozent der Verstorbenen waren RKI-Angaben zufolge 70 Jahre und älter.


Sprache der Diktatoren

Politiker reden jetzt von „Krieg“ und „Ausnahmezustand“. Das sollte uns eine Warnung sein

Aus dem "Freitag":

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben hat kürzlich in der Neuen Zürcher Zeitung die Furcht geäußert, dass der Ausnahmezustand, auf den uns staatliche Autoritäten seit einiger Zeit einstimmen, zum Normalzustand werden könnte. In Ungarn, Polen und Israel versuchen die Regierungen bereits, die Krise zu nutzen, um ihre Macht zu stärken. So weit wird es in Deutschland nicht kommen, nur dürfte auch bei uns die Welt nach COVID-19 eine andere sein als zuvor.

Insofern sind zwei Aufgaben unerlässlich: Wir müssen erstens darauf achten, dass der Staat handlungsfähig bleibt, ohne unsere Freiheit im Namen der Sicherheit dauerhaft über Gebühr einzuschränken. Die Corona-Krise legt offen, wie sehr unser auf Profit und höchste Effizienz getrimmtes Gesundheitswesen auf Kante genäht ist. Wir müssen also zweitens dringend darüber nachdenken, wie wir das ändern, um eine solidarische und gerechte Gesellschaft zu gewährleisten.


Eine Studie kann Klärung bringen

Der Virologe Hendrik Streeck zu den Fallzahlen


Das Virus hautnah

Interview mit einem Intensivmediziner

aus dem Interview:

Ist es nicht normal, dass man Angst hat vor dem Virus?

 

Menschen sterben. Immer. Auch junge Menschen. An Verkehrsunfällen, Infektionen, an Krebs, an schweren Autoimmunerkrankungen. Aber die aktuellen Todeszahlen werden sonst nie im Fernsehen gezeigt. Sondern es wird gar nicht darüber gesprochen.

 

Wie über die Grippewelle vor zwei Jahren?

 

Damals gab es wochenlang nicht genug Betten auf der Intensivstation, doch über Todesstatistiken sprach die Öffentlichkeit nicht. Jetzt sind die Menschen plötzlich damit konfrontiert, begleitet von Bildern aus der Intensivmedizin und von LKWs voller Leichen. Diese Bilder treffen auf eine Gesellschaft, die nie über den Tod redet. Die gerade noch mit der Frage beschäftigt war, was für ein Auto ich mir als nächstes kaufe. Wohin ich als Nächstes in den Urlaub fliege...


Fallzahlen völlig spekulativ

Virologe Stefan Willig (Charité) bei Maischberger

Maischberger: ...wir vertrauen lauter Zahlen, von denen man weiß, die sind ohne Gewähr. Wie viele Infizierte gibt es wirklich in Deutschland? Wissen wir das?

 

Willich: Das ist völlig spekulativ. Das ist eine der Zahlen, über die kein Mensch in der Welt Bescheid weiß.

 

Maischberger: Wissen wir denn, wie hoch die Sterblichkeit ist?

 

Willich: Wir wissen aus Italien, für wen diese Krankheit sterblich ist. Damit stellt sich auch die Frage: Wen müssen wir besonders schützen? Das Durchschnittsalter der Todesfälle beträgt dort 80 Jahre. Die Hälfte haben drei oder mehr ernsthafte chronische Erkrankungen, und zwar simultan. Zum Beispiel Diabetes, koronare Herzkrankheit, Nierenfunktionsstörungen, Lungenfunktionsstörungen... Das heißt, wir haben es hier mit einer sehr speziellen Bevölkerung zu tun, einer sehr kranken Gruppe der Bevölkerung. In Deutschland sind zwei Drittel über 80 Jahre alt, 30% sind zwischen 60 und 80 und 5% sind unter 60 Jahren...In dieser Gruppe sterben jeden Winter Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen an der Influenza-Grippe...

 

Maischberger: Wir zählen die Todesfälle und wissen nicht, ob die Gestorbenen an oder mit dem Corona-Virus gestorben sind...

 

Willich: Genau.

 

Maischberger: Was heißt das?

 

Willich: Es ist letztlich eine Einzelfallentscheidung. Wenn Sie einen Patienten haben, der bettlägerig ist mit einer schweren Erkrankung und der noch einige Tage oder Wochen leben kann. Wenn der sich das Corona Virus zuzieht und der Todesfall ausgelöst wird,Wie bewertet man das auf dem Totenschein? In der Regel würde der Arzt sagen: Das ist die Krebserkrankung gewesen... und würde nicht sagen: Das ist ein Corona Todesfall...Die sind aber alle mitgezählt...

 

Maischberger: Frau Merkel möchte gern, dass die Zahl der Verdoppelung der Infizierten von derzeit 6 auf 10 Tage erhöht wird, bevor die restriktiven Maßnahmen gelockert werden.

 

Willich: Diese Zahl ist in die Welt gestellt, um das Durchhalten zu stimulieren.


Beifall vom Balkon löst das Problem nicht

Quelle: Wochenzeitung "Der Freitag"
Quelle: Wochenzeitung "Der Freitag"

Über 25000 Tote bei Influenza 2017/18 in Deutschland und kein Diskussionsbedarf?

  • Wen kümmerte das seinerzeit?
  • Welche Regierung hat den Notstand ausgerufen?
  • Wäre es aus heutiger Sicht nicht auch schon damals nötig gewesen?
  • Betreibt man nun mit Umgehung eines Krieges eine Wirtschaftskorrektur?
  • Aber warum dann so halbherzig?

 

Solange unbequeme Fakten unter den Tisch gekehrt werden, muss man sich den Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit gefallen lassen.


"Der Freitag" - Wochenthema (Auszüge)

Der Markt macht’s nicht (1.4.2020)

von Kathrin Hartmann

"...Die Corona-Krise zeige, heißt es derzeit, dass Regierungen zum Wohle aller handeln könnten, wenn sie nur wollten. Dass Flüge eingestellt, die Produktion von Autos zurückgefahren, die Schuldenbremse gelockert und Unternehmen verstaatlicht werden könnten, wenn Menschen bedroht seien. So hieß es in einigen Kommentaren – verbunden mit der Hoffnung, dass drastische Maßnahmen auch eingesetzt werden könnten, um die Folgen der Klimakrise aufzuhalten. Sie liegen aller Wahrscheinlichkeit nach daneben.

Bei den aufgesetzten Wirtschaftsprogrammen geht es darum, die Wirtschaft, wie wir sie kennen, zu erhalten. Jenes System, das das Gesundheitswesen an den Rand des Zusammenbruchs geführt hat. Die zur Eindämmung des Virus zweifelsfrei nötigen Ausgangsbeschränkungen sind deswegen nötig, weil unser Gesundheitssystem der Pandemie sonst nicht gewachsen wäre. Davor warnte bereits 2012 eine Studie des Robert-Koch-Instituts im Auftrag der Bundesregierung.

Es wird also ein System erhalten, das die, die für unsere Daseinsvorsorge arbeiten, mit am stärksten ausbeutet. Das dafür sorgt, dass Menschen diesem Virus desto mehr ausgeliefert sind, je ärmer sie sind. Während jene, die es sich leisten können, von der tödlichen Pandemie profitieren, weil sie sie – gut abgesichert – als „Entschleunigung“ empfinden.

Ruckzuck hat die Europäische Zentralbank nun ein Rettungspaket von mehr als 750 Milliarden Euro für die Finanzmärkte geschnürt, die Bundesregierung hat einen Rettungsschirm aufgespannt: Während für kleine Firmen und Selbstständige nur 50 Milliarden vorgesehen sind, werden große Unternehmen mit 600 Milliarden Euro unterstützt. Das übersteigt sogar den Finanzmarktstabilisierungsfonds, mit dem die Regierung vor zwölf Jahren die Banken und ihre Anleger nach der Finanzkrise rettete..."


Der Moment der Solidarität (25.3.2020)

von Stephan Kaufmann

"Jetzt überschlagen sich viele Wirtschaftsliberale mit Staatsliebe. „Falsche Sparsamkeit“, warnt der FDP-Haushaltspolitiker Otto Fricke, könne uns „schnell teuer zu stehen kommen“. Den Staat an Privatkonzernen zu beteiligen, findet der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie „vertretbar“. Und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärt gar: „Diese Pandemie hat jetzt schon deutlich gemacht, dass es Güter und Dienstleistungen gibt, die außerhalb der Marktgesetze gestellt werden müssen.“ Mit ihrer Kehrtwende revidieren die Marktfreunde nicht ihre Theorien, sie werden schlicht von der Realität überrannt: Die Corona-Krise führt absehbar zur größten ökonomischen Belastung in Friedenszeiten, wohlgemerkt für die großen Industrieländer; in armen Staaten kommen derartige Verheerungen öfter vor."

...

"Das gegenwärtige Wirtschaftssystem basiert auf Tausch gegen Geld. Wer etwas braucht, muss zuerst etwas verkaufen, um Geld zu verdienen, mit dem er sich dann Güter aneignen kann. Unternehmen verkaufen Waren und machen einen Profit. Arbeitnehmer verkaufen ihre Arbeitskraft an die Unternehmen und erhalten dafür einen Lohn, mit dem sie ihr Leben bestreiten. Der Corona-Lockdown zerreißt diese Kette: Menschen müssen zu Hause bleiben, verlieren Lohnanteile oder gleich ihren Job. Selbstständige verlieren Aufträge, Unternehmen müssen schließen und verlieren Umsatz. Damit fehlt ihnen das Geld, um einzukaufen. Der ewige Zirkel aus Investition-Produktion-Verkauf-Neuinvestition wird unterbrochen. Das wiederum treibt Produzenten in die Pleite."

...

"Insofern zeigt die aktuelle Krise weniger, was geschieht, wenn der Kapitalismus nicht mehr funktioniert. Sie zeigt, wie er funktioniert. Zum Beispiel, dass nicht Markt oder Investitionen den globalen Reichtum und die Versorgung der Menschheit besorgen, sondern die Menschen, die jeden Tag zur Arbeit gehen. Und dass ihre Arbeit und ihre Versorgung auch unabhängig vom Markt organisiert werden können. Zwar erhalten die Staaten derzeit die Prinzipien von Markt und Profit über Verschuldung künstlich aufrecht, letztlich aber sind ihre Ausgaben nichts anderes als staatliche Anweisungen zur Produktion und Verteilung von Gütern und damit der gesellschaftlichen Arbeit. Wenn derzeit Konzerne wie Volkswagen oder Daimler erwägen, statt Autos Ventilatoren und Atemschutzmasken produzieren zu lassen, dann bekommt man eine leise Ahnung davon, was alles möglich wäre, wenn der Zweck der Wirtschaft nicht mehr die Vermehrung von Geldsummen wäre. Könnten diese Konzerne am Ende auch nachhaltige Fahrzeuge bauen?

Zu lernen wäre gegenwärtig auch, dass es die gesellschaftlich besonders bedeutenden Tätigkeiten sind, die oftmals schlecht bezahlt werden. Die Krise zeigt unser Aufeinander-angewiesen-Sein: Während in normalen Zeiten sich jeder um sich selbst kümmert, sein Einkommen und sein Vermögen zählt, so wird deutlich, dass wir jenseits der finanziellen Sphäre – bei Produktion und Verteilung der Güter – alle voneinander abhängen, dass wir mit- und füreinander tätig sind. Sogar im Kapitalismus."


Heilung ohne Arzt oder:            Transfersummen nach Corona niedriger ?

Quelle: www.gmx.net
Quelle: www.gmx.net

Hey Uli, das ist doch mal ne tolle Sicht in die Glaskugel! Bei all den verwöhnten Rotzlöffeln wäre dies dringend notwendig. Der zuvor verlorengegangene Realitätsverlust wird zwar anfangs schmerzhaft sein, aber vielleicht spürt dann der eine oder andere die Umwelt und vor allem seine Mitmenschen wieder bewusster.

 

Oder wie der Songwriter Stefan Stoppok es ausgedrückt hat:

 

"Die Blase ist geplatzt, kein Wasser mehr im Pool,

keine Kirschen mehr zum pflücken, keine vier Beine mehr am Stuhl"


Erste positive Aspekte der Pandemie:                     Glitzerparadies Dubai steht vor dem Ruin

Mal abgesehen davon, dass die Natur sich zurzeit gerade erholt und sogar das Kanalwasser von Venedig wieder klar wird ist auch Scheich Großkotz gerade schwer in Sorge um sein Eingemachtes. Dubai mit seinen Mega Shopping Malls kann man nach all den größenwahnsinnigen Bauvorhaben auf Kosten vorwiegend aus Indien stammender unterbezahlter Gastarbeiter nur wünschen, dass es so krachend den Bach runtergeht, dass es auch in den entlegendsten Ecken der Erde noch zu hören ist. Ein Regenlied...



Ein Artikel des Kabarettisten und Schauspielers Serdar Somuncu ist meines Erachtens einer der zur Zeit seltenen realistischen Statements von Prominenten und benennt auch die Ursachen für Schwächen in unserem System.

 

Die Welt nach Corona beschreibt hier der Publizist und Visionär Matthias Horx.

Angst müssen jedoch vor dieser Vision nur jene haben, die bisher in egoistischer Weise die Erde und ihre Mitmenschen ausgebeutet oder für dumm verkauft haben.

 

Das "...Coronavirus hat einen Börsencrash ausgelöst, der jetzt schon katastrophale Dimensionen erreicht. Bis 16.März haben die größten Indizes rund 40 Prozent verloren."

(Ökonom Stephan Schulmeister im "FREITAG")

 

Maximalprofitorientierter Kapitalismus und Solidarität verhalten sich wie der Teufel und das Weihwasser. So gesehen ist unsere derzeitige Gesellschaft langfristig nicht überlebensfähig. Da helfen auch keine 100 Mio Follower...

Das Ende dieser Ausbeutung von Mensch und Umwelt wäre für den Planeten Erde ein Segen.

 

"Als eigentlicher Heroe aber wird, wenn das alles überstanden ist, das medizinische Personal aus dieser Krise hervorgehen. Wenn man überhaupt von Grenzen und Fronten reden will, dann verlaufen sie an der Linie zwischen Krankheit und Gesundheit. Ärzte und Pfleger sind es, die hier mit ihrer Arbeit das Risiko persönlicher Gefährdung auf sich nehmen. Daran sollten sich alle ein Beispiel nehmen, die momentan um ihr Risikokapital fürchten. Und es selbstlos an dieser Grenze einsetzen."

(Ulrike Baureithel im "Freitag", Beitrag nur vollständig abrufbar gegen Gebühr)


24 hours later...

13. März 2020, 20:51 Uhr
13. März 2020, 20:51 Uhr

Bestes Team der Welt

Das "beste Team der Welt" hat wohl Probleme mit einem Virus und muss den Notstand ausrufen. Jetzt werden wir sicher alle Zeugen des schnellen und professionellen Handelns des Teams Donald Duck...ähm...oder so.

12. März 2020, 20:14
12. März 2020, 20:14

Jubel

...so titelt die neueste Scheibe von Stoppok. Den Titelsong sollten sich nicht nur Manager von großen Konzernen und SUV-Fahrer mit Stammparkplatz vor dem Billigdiscounter anhören:  Stoppok - Verjubeln

 

Screenshot aus dem Video-Tape zu "Stoppok-Verjubeln"
Screenshot aus dem Video-Tape zu "Stoppok-Verjubeln"

Parallelwelten in der Nachbarschaft oder:         Asozial im Würmtal

Rücksicht ist keine prägende Eigenschaft von vielen Menschen im Würmtal. Wie also soll man diese Situation sonst anders beschreiben als asozial? Da leben scheinbar intelligente Menschen zusammen und müssen vom Bürgermeister darauf hingewiesen werden,  besser auf ihr soziales Verhalten zu achten. Dazu gehört, sich in die Lage von Fußgängern zu versetzten, die den Fußweg nur deshalb nicht benutzen können, weil die Besitzer ihre Hecken wild wuchern lassen. Auf der Strasse parkende Autos trotz Stellplatz auf dem Hof oder Garage sind ebenso asozial. Und wenn dann doch ein Auto regelmäßig in seiner Garage geparkt wird, stellen sich manche Nachbarn oder deren Besuch so dicht an die Einfahrt, dass der Besitzer rangieren muss, um wieder aus der Garage zu kommen. Außerdem sollten genell Fahrzeuge mit nicht serienmäßg hochgeschraubten Schall-Emissionswerten aus Wohngebieten verbannt werden.

Da haben die Kraillinger Stadtväter und -mütter ebenfalls Handlungsbedarf.

 

Gratulation, Herr Haux. Wer solchen Bürgern elementarste Verhaltensregeln per Wurfzettel erklären muss, kann das Wort "Sozialhilfe" völlig neu interpretieren.

Mir zeigt das einmal mehr, dass Geld und Intelligenz nicht zwangsläufig zusammengehören...


Parallelwelten in der Nachbarschaft oder:         Amateure in Uniform

Welche Ideologie muss jemand verinnerlicht haben, um Zustände wie vor der Reichskristallnacht herbeizuführen? Die Ereignisse in der Asylunterkunft Krailling im Sommer 2019 sprechen für sich. Judikative und Exekutive haben hier bestens bewiesen, welch Geistes Kind sie sind. Oder waren die Beamten einfach nur überfordert? Möglicherweise sollten sie besser Konsequenzen ziehen und ihren Job an den Nagel hängen. Denn ein solch massiver und von Dilettantismus gekennzeichneter Einsatz hätte ohne die vorab notwendigen Informationen schlichtweg nicht durchgeführt werden dürfen.